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Einmarsch der
Maercker Truppen

Sepp Oerter stellte in Frage, die Revolution fortzuführen und eine Sozialisierung plante er nur halbherzig. Wie in Berlin hatte plötzlich das Organ zur Durchführung einer Sozialisierung nur noch eine beratende Rolle gespielt. Revolutionäre Vertreter bemühten sich vehement weiter, die revolutionären gewünschten Ziele fortführen zu können. Während die Gegner massiv versuchten, die Rätepartei aufzulösen. Die Machtbefugnisse des Arbeiter- und Soldatenrates waren inzwischen sehr eingeschränkt. Die Vorgehensweise der Konterrevolutionäre in Braunschweig war ähnlich wie im gesamten Reich.

„Aber das wissen wir schon“, wirft Greta ein, „Die Vertreter der Arbeiter- und Soldatenräte verkündeten ihren Anhängern immer wieder den Entschluss, an ihren Zielen weiter festzuhalten, trotz gestärkter konterrevolutionärer Politik und weit nach rechts gesinnter Sozialdemokraten.

August Merges sagte: ‚Wenn diese Leute in Berlin noch nicht verstanden haben, konsequent im sozialistischen Sinne zu arbeiten, so ist das ein Beweis, dass Elemente am Werk sind, die dieses Streben verhindern‘.“

Durch die Ereignisse in Berlin und die schon sehr frühe Besorgnis wegen der Konterrevolutionären Truppen wurde in Braunschweig versucht, mit den Ländern, die ebenfalls das Rätesystem vertraten, eine nordwestdeutsche Republik zu gründen. Die Planung begann schon im Dezember. Ende Januar fand in Braunschweig ein Kongress zur Gründung einer nordwestdeutschen Republik statt: Oldenburg, Cuxhaven, Bremen, Remscheid, Essen, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Leipzig, Peine und Hildesheim waren die Teilnehmer des Kongresses. Durch eine Bildung sozialistischer Freistaaten sollte die Gegenrevolution geschwächt werden. Falls die Reichsregierung dann ein Rätesystem ablehne, wollte man sich von der Reichsregierung unabhängig erklären.

Doch zu einer nächsten Vereinigung kam es nicht mehr, da Bremen bereits von Regierungstruppen besetzt wurde. Der Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrates Schütz formulierte in einer Regierungserklärung die Ziele und Aufgaben einer Revolution. Hierin sollte die Landesversammlung lediglich ein Organ zur Durchführung der Aufgaben sein. Doch schon ein Tag später wurde Dr. Heinrich Jasper zum Präsidenten des Parlaments gewählt, und die Erklärung wurde abgelehnt.

Theo sagt noch: „Rechtmäßig hätte der Arbeiter- und Soldatenrat den Landtag auflösen können. Aber Sepp Oerter führte Verhandlungen für eine Koalitionsregierung mit der MSPD und versperrte der USPD damit bedeutende Wege zur Durchsetzung ihrer Ziele.“ Es kam zu einer Koalition. Oerter schaffte es.

August Merges bezeichnete die Regierungskoalition ‚als letzten Todesstoß für die revolutionären Errungenschaften‘. In dieser Koalition wurde ausgehandelt: die  Landesversammlung sei oberste gesetzgebende Gewalt, während der Landesarbeiterrat lediglich die Befugnis hat, Handlungen, Gesetze und Verordnungen zu überprüfen. Die Sicherung der Revolution war damit verloren gegangen. Oerter ging weiter seine Wege. Dem Rat der Volksbeauftragten gelang es nicht mehr, dies der Braunschweiger Arbeiterschaft zu verkaufen. Im März neunzehn-hundert neunzehn wurde die KPD Ortsgruppe Braunschweig gründet.

Anfang April beschloss ein revolutionärer Ausschuss zur Rettung der Revolution noch im selben Monat einen Generalstreik, der sich über Braunschweigs Stadtgrenzen, hin zu anderen revolutionären Städten ausdehnen sollte.  Anhänger von USPD und KPD, Menschen der Volkswehr, der Jugend und der Arbeiterschaft zählten weitaus mehr als das Bürgertum samt der MSPD. In diesem Generalstreik wurde gefordert:

  1. Alle Macht den Arbeiterräten
  2. Sofortige Inangriffnahme der Sozialisierung
  3. Beseitigung der Mörderregierung Ebert, Scheidemann, Landsberg und Neske
  4. Restlose Abschaffung des alten Militärsystems der Offizierskamarilla und der Freiwilligenkorps
  5. Sofortiger Anschluss an die russische Räterepublik
  6. Aufhebung der Nationalversammlung nebst allen Länderversammlungen
  7. Sofortiges in Verbindung setzen mit den revolutionären Sozialisten aller Länder, um Brot und Hilfe für das deutsche Proletariat zu beschaffen
  8. Bewaffnung des Proletariats und Bildung einer Revolutionsarmee

Eisenbahn- und Postbeamten legten ihre Arbeit nieder und schlossen sich der Demonstration an. So wurde der gesamte Schienenverkehr lahm gelegt. Dadurch streckte sich der Streik auch verkehrsmäßig über die Landesgrenzen weitläufig aus.

„Und dieser Generalstreik, leider muss ich das sagen, dass dieser Generalstreik nicht den Effekt durchgeschlagen hat, den wir uns vorgestellt haben. Nein, nein, nein, das hat ein klägliches Ende gehabt. Das muss ich sagen“,  erklärt Hermann Wallbaum den Schülerinnen und Schülern vor über dreißig Jahren.

Nur zwei Tage später fand ein Bürgerabwehrstreik statt. Bürgerliche demonstrierten auf der Straße. Sie erklärten, jede bürgerliche Hantierung hat zu ruhen, die Geschäfte haben zu schließen bis der Streik aufgehoben werden würde. Die Streikleitung brachte einen Flyer heraus: „Warum auch wir streiken!“,  eine Seite des Bürgertums mit alter Schrift, klein und unleserlich. Herrmann Wallbaum und Wilhelm Hillger lästerten über das Flugblatt der anderen Seite.

Mit der Begründung, es drohe ein Bürgerkrieg in Braunschweig, ließ Jasper aufgestachelt vom nationalen Bürgertum durch die Regierung Ebert die Maerker-Truppen holen. Es war ein gewaltloser Generalstreik, indem politische Forderungen durchgesetzt werden sollten. Worauf hin das Bürgertum einen Gegenstreik in die Wege setzte, der ebenfalls gewaltlos ablief. Das war Jaspers soziale, demokratische, gemäßigte Politik.

Greta reagiert ungehalten: „Diese beiden Steinbrecher und Jasper waren keine ehrlichen Sozialdemokraten. Sie hätten sich raushalten sollen. Das wäre besser gewesen für die Sozialdemokratie. Und sie wären von den Nazis nicht umgebracht worden.“ „Das kann ja alles sein. Aber zu Anfang waren sie sicherlich Sozialdemokraten. Das denke ich schon. Erst später ließen sie sich mehr und mehr beeinflussen und wurden korrupt oder sie wollten einfach gemäßigt sein. Vielleicht sahen sie sich privilegiertere Sozialdemokraten?“ so stellt Theo sich das vor „Moment, egal was sie angeblich waren. Sie suchten doch auch gute Posten und egal wo. So steht es in der Biografie zumindest von Steinbrecher“, unterbrach ich Theo. Er nickte ab und führt seine Berichterstattung fort:

Einen Tag später wurde General Maerker von Noske beauftragt, in Braunschweig Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Zwei Tage später flogen Regierungsflieger über Braunschweig. Unzählige Flugblätter worden abgeworfen: „An die Bevölkerung Braunschweigs!

  1. Die Regierungstruppen sind im Anmarsch. Die Stadt ist bereits im weiten Umkreise umstellt.
  2. Ich werde nach den Befehlen der Reichsregierung, Ruhe, Ordnung und gesetzmäßige Zustände herstellen.
  3. Bewaffneten Widerstand werde ich rücksichtslos niederschlagen. Plünderungen, Gewalttätigkeiten und ungesetzliche Handlungen jeder Art, insbesondere das Festnehmen von Geiseln, werde ich auf Grund des Belagerungszustandes nach Kriegsrecht ahnden.
  4. Beim Einmarschieren der Truppen soll sich niemand außerhalb der Häuser zeigen. Neugierige werden gewarnt! Die Truppen haben Befehl, gegen alle Menschenansammlungen vor zu gehen.
    Magdeburg, 14.04. 1919.

Einen Tag später versuchte Oerter aufgrund dieser Flugblätter Verhandlungsgespräche mit Maercker in Magdeburg zu führen. Dieser lehnte jedes denkbare Angebot ab, um seine Truppen aus der Stadt zu lassen.

„Ist doch klar? Sie wurden doch von der Regierung für den Ein-marsch bezahlt? Sie waren etwas Ähnliches wie ein Privatunter-nehmen und suchten Aufträge dieser Art“, fällt Greta ein.

Theo kommentiert: „Das ist die eine Sache. Aber der zweite Grund ist auf der ideologischen Schiene zu finden. Das waren alles Monarchie- oder Diktaturanhänger. Manche von ihnen waren auch stark eingeprägte nationale Gestalten. Sozialisten bekämpften sie weitgehend. Sie standen zu ihrer kommenden Aufgabe.“

Wieder einen Tag später wurde von Maercker in Helmstedt den Abgesandten der Braunschweiger Regierung Bedingungen der Reichsregierung übermittelt:


Wie verlautet hat die Reichsregierung durch den General Maercker heute Morgen in Helmstedt den Abgesandten der Braunschweiger Regierung, Volkskommissar Antrick, folgende Bedingungen überreichen lassen:

  1. Überlieferung sämtlicher Waffen und Munition, sofortige Auflösung der Volkswehr und der Volksmarinedivision, restlose Entwaffnung der bewaffneten Arbeiterschaft,
  2. Rücktritt der Braunschweiger Regierung und Neubildung der Regierung auf Grund des demokratischen Prinzips,
  3. sofortige Verhaftung nachstehender Personen: Oerter, Eckart, Schütz, Junke und Merges, Auflösung und Neuwahl des Arbeiterrates.“
    Helmstedt, 16.04.1919.

In der nächsten Nacht marschierte in einer Nebelaktion General Maercker mit einer Truppe von zehntausend Mann in Braunschweig ein. Morden und Niedermetzeln konnte verhindert werden, denn die Braunschweiger benahmen sich ruhig. Maercker wurde im Nobelhotel Deutsches Haus untergebracht und blieb bis Mitte Mai in Braunschweig.

„Wer seine Rechnung für Übernachtung und Verpflegung bezahlte weißt du sicherlich wieder nicht, Theo. Und wer die zehntausend Kämpfer verpflegt, weißt du auch nicht?“ kritisiert Greta bevor Theo antworten kann und Theo gibt eine achtel Antwort: „Viel-leicht hatte er nur wenige dieser Zehntausendmanntruppe die lange Zeit über, die er blieb. Und hungern brauchten sie sicherlich nicht. Das taten ja bekannter Weise andere Bewohner Braunschweigs.“


Ich denke still weiter, sie brachten schwere Geschütze mit all ihrer Munition hier her, auch Hunde, große Hunde. Ich sehe stattliche Pferde und Hunde zum Angriff dressiert um sie herum, deutsche Schäferhunde, Schäferhunde, deutsche. Hunde mussten dabei gewesen sein, so wie Paules Otto. Hunde, die Würstchen verschlingen konnten wie Otto. Auch alle Tiere wurden gut verpflegt auf Kosten der armen Menschen. Wie Otto alles weggefressen hat und sich dann mit Paule schlafen legte. Aber wo sind die beiden jetzt? Ich habe sie noch in der letzten Pause dort in der Ecke schlafen gesehen.

„Theo! Greta! Wo ist Paule?“ frage ich laut, denn ich möchte jetzt wissen, ob sie irgendetwas gemerkt haben, wie die anderen beiden verschwunden sind. Ich zeige in die Ecke, wo Paule und Otto vor einiger

Zeit noch entspannt im Tiefschaf versanken und plötzlich auf stillstem Wege verschwanden. Greta und Theo schauen mich fragend mit großen Augen an. Ich wollte eher sagen, sie schauen mit glotzenden Augen an mir vorbei. Mir ist, als hätte ich sie bei einem Film gestört, aus dem Konzept gebracht. Sie schauen nicht in die Ecke hinein, wo ich unentwegt hinzeige und frage. Mich gruselt, ich versuche wieder Worte zu finden und stammele weiter heraus: „Wo sind die beiden geblieben? Da schaut in die Ecke!“ Aber sie schauen nicht in die ehemalige Schlafecke. Sie tun, als gab es Otto und Paule nie. Keine Tür öffnete sich. Keine Gehgeräusche hörte ich. Kein Fenster öffnete sich. Keinen Sprung hörte ich. Keinen Laut des Abschieds habe ich vernommen. Die beiden sind weg. Ein Taschentuch liegt in der Ecke. Kein Tempotaschentuch, eins aus Stoff, ergraut, am Rande bestickt mit ganz dünnem Garn. Es sieht zerschlissen aus.

Die beiden Freunde am Tisch scheinen völlig zu ignorieren, dass hier welche geräuschlos durch die Wand entkommen sind. Sie wirken bei meiner Frage so starr und plötzlich so unerreichbar. Mir gefällt das nicht. Ein unheimliches Gefühl trieb mich an, dasselbe zu tun wie sie. Ich blieb bei unserem Thema und drängte Theo weiter zu erzählen, der leicht verwirrt schien, sich bald faste und weiter machte.

Theo erzählt, was Wilhelm Hillger und Hermann Wallbaum noch über die Maercker-Truppen berichteten: „Die Bürgerlichen, die hatten sich erst ganz scheu zurückgezogen, aber die haben natürlich schon im Untergrund gewirbelt. Und als die Maercker-Truppen hier einzogen, das war nämlich auf deren Hilferuf, weil sie hier so vergewaltigt wurden. Wir hatten Nachricht, dass sie also von Helmstedt heranrückten nach Braunschweig.

Aber es waren keine Strategen da. Also die Leute hier im Soldatenrat, die hatten keine Strategen, die mit Militärsachfragen Bescheid wussten. Dadurch war natürlich so ein bisschen Verwirrung eingetreten. Zum anderen, soviel wussten wir inzwischen, dass sie mit Artillerie und allem möglichen kamen und das hatten wir ja nicht. Wir hatten wohl ein paar MGs. Aber die Volksmarinedivision, das war ja auch ein Haufen.

Also der Zug war drin, die Ordnung, die Disziplin, die waren nicht vorhanden, wie man das von einer militärischen Formation verlangen muss. So wäre es also Wahnsinn gewesen, irgendetwas gegen den Einmarsch zu unternehmen. Da kamen sie dann. Alle schwer bewaffnet bis an die Zähne und im Stadtpark hatten sie Artillerie aufgefahren, geschossen hatten sie allerdings nicht. Na ja, und in der Jasperallee, das war ja früher die Kaiser-Wilhelm-Straße, da wohnten die Honoratioren, die so genannten besseren Leute. Und die haben natürlich gleich große Fahnen rausgehängt, schwarzweißrote Fahnen. Und das war ein Jubel und Trubel da.“


Weiter wurde erklärt: „Also das war die Begeisterung. Die lag nicht bei uns, sondern da oben. Und hier in der Stadt selbst, die Geschäftsleute, die waren sehr zurückhaltend. Und viele von denen, vor allen Dingen von den kleineren Geschäften, die haben gesagt: ‚Nah, das ist doch eine Schweinerei, dass die hier herkommen. Hier ist doch gar nichts passiert. Und die kommen jetzt hier her mit Kanonen und wollen hier alles Mögliche machen.‘“

„Wer da gejubelt hatte beim Einmarsch, das waren die Bürgerlichen. Von den Arbeitern hat sich keiner gefreut“, sagte Frau Hillger, die dabei gesessen hatte.

„Da traf dann der General Maercker hier ein. Und der hatte keinen roten Schlips. Die gewöhnlichen Anzüge wurden da vorgeführt mit Stahlhelm und so weiter. Als wenn man im Sturmangriff Braunschweig nehmen muss. Hinten in Rüningen ist wohl der Schützengraben und jetzt springen wir aus dem Schützengraben und dann wird die Stadt erobert! So ungefähr kann ich General Maercker charakterisieren. Und der hatte nichts anderes zu tun, als die übliche Formalität: Verhaftungen, Verhaftungen, gleich nach den Rädelsführern zu suchen und dann die Leute in Gefängnisse und Kasernen mit Hände über den Kopf abzuführen.“

Bis zu zweihundert Menschen sollen verhaftet worden sein, mit gehobenen Händen wurden sie durch die Straßen gestoßen und zur Schau gestellt. Zum Glück befand August Merges in Sicherheit. Er war gerade in Berlin. Wir wissen nicht, was er in Berlin machte. Vielleicht war er politisch unterwegs, unser August. Wir machen eine kleine Pause. Ich schaue auf ein Bild und zähle 62 Menschen, nicht alles ist zu erkennen. Zu viert nebeneinander mussten sie durch die Straßen mit Hände hinter oder auf den Kopf. Wo überall lang, erkenne ich nicht.


Dann frage ich: „Theo, im Volksfreund da stand noch, das sagten die Hillgers, dass die Maerker-Truppen auf dem Inselwall eine ganze Artillerie oder Kavallerie aufbauten.“ „Ja, sie hatten dort eine gute Kriegsausrüstung, die einschüchterte oder auch benutzt werden konnte, je nachdem“, antwortet er. „Ok, ich kenne auch Kavaliere. Ist das so etwas Ähnliches?“ „Äh, ja oh, glaub‘ schon.“ Er macht eine Pause und sagt dann: „Nah, wie Kameraden, oder sich kameradschaftlich benehmen. Hat man ja schon abgeschafft diese Begriffe, die immer mit dem Krieg zu tun haben. Oder ‚‘Kriegen spielen‘, zum Glück sagt man heute, Fangen spielen, nicht mehr ganz so schlimm.“

Aber da fällt mir noch mehr ein: „Weißt du, meine Mutter meinte, wer langsam isst, arbeitet auch langsam. Und als ich es damals nicht schaffte, diesen bekloppten Teller endlich leer zu essen, wusste ich, dass ich nicht nur langsam arbeiten werde, sondern niemals mit meiner Arbeit fertig werden würde, und das war auch so.“

„Na, du, deine Mutter hoffte vielleicht, etwas anderes zu erreichen. Aber da kannst du mal sehen, wie dressiert unsere Eltern in der Arbeitswelt und von oben gemacht wurden. Jetzt bist du zum Oper deines nicht leer gegessenen Tellers geworden und bekommst nie wieder eine Arbeit fertig“, sagt er und lächelt ein wenig. Dann meint er noch: „Nach und nach verändert sich die Gesellschaft zum Glück. Sie ändert ihre Formulierungen und Ansichten. Sie wendet sich immerhin vom eigentlichen Kriegsgeschehen ab, obwohl Kriege stattfinden. Der Heldentumsgedanke oder chauvinistische Erziehung integrierte diese Begriffe wahrscheinlich in die zivile Bevölkerung mit hinein.“ Wir machen wieder eine kleine Pause und ich denke, wir haben sie uns verdient. Die Räterepublik ist erst einmal am Ende, doch zu Ende ist nie etwas.

Theo liest noch zwei Zitate vor: „Braunschweig erwies sich seit dem Ende des vorigen Jahres politisch als Mittelpunkt der kommunistischen Bewegung und tatsächlich als der Herd aller Schwierigkeiten für die Durchführung der laufenden Arbeiter der Reichsregierung.“ Das sagte Maercker neunzehnhundert einundzwanzig.

„Meinetwegen, einer muss der Bluthund werden. Ich scheue die Verantwortung nicht.“ Das sagte Gustav Noske vor der Niederschlagung der Revolution. Es wurde danach eine Fotomontage mit ihm erstellt, die der

Volksfreund 1979 noch einmal abbildete. Sie zeigte Noske mit einem Hunderachen und spitze Reißzähne darin.
(Ilona Meschke@2009)

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… oder brennt es schon? …

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