Gedichte und Verse in schlechten Zeiten
aus den Novembergeschichten
Simon ein Scheidungskind

Vor langer Zeit:
„Opa, warum steht diese Mauer da?“

Der Opa hörte, schwieg und mit ernstem Gesicht verrichtete er weiter seine Arbeit auf dem Hof einer Altbausiedlung in unserer Stadt. Ich saß auf meinem Ball, die Mauer von weitem betrachtend. Sie war hoch wie die Häuser. Sie war lang und dick. Wie lang und dick, ließ sich nicht überschauen. Gut angeordnete rostige, große, spitze Haken schauten aus der Mauer weit oben heraus. Der Rost der Haken setzte sich um die Haken und weiter unter den Haken im Mauerwerk ab.

Die Mauer war alt. Sie verriet nichts über sich. Sie trennte Höfe, Häuser, Menschen und spielende Kinder auf der anderen Seite. „Opa, ich mag die Mauer nicht. Warum steht die Mauer da?“ Der Opa wurde noch stiller. Ab jetzt wird er niemals mehr etwas über die Mauer verraten, denn wenn Opas schweigen, steckt ein wirkliches Geheimnis dahinter. Hämisch schaute mir die Mauer mit ihren Haken entgegen. Sie war es, die den Opa zum Schweigen brachte.

Noch heute wohne ich in dieser Stadt, am Rande, in einem idyllischen Vorort. Ich hole mein Fahrrad aus dem Keller, um damit zu der Siedlung meiner vergangenen Zeit zu gelangen.

Oma und Opa sind längst schon von uns gegangen, schweigend, denn über die Mauer verrieten sie nichts mehr. Ich möchte mir noch einmal die Mauer anschauen, die ich vor langer Zeit kennen lernte.
Es war die erste Mauer, die ich sah. Die Häuser drum herum sind fast alle restauriert oder neu gestrichen. Nur die Mauer hat sich nicht verändert. Die Leute gehen ihren Beschäftigungen nach. Sie beachten die Mauer nicht. Auch kein Kind sitzt mehr auf einem Ball und schaut die Mauer fragend an.

Haben sie aufgehört zu fragen?
Wer hört schon fragende Kinder?


Nebel
Im Nebel
des ersten Novembertages irgendwann:
eine Berichterstattung
eine zeitlose
behaupte ich

und schreibe den ersten Novembertag nieder
mein Bericht ist subjektiv
sehr subjektiv

es ist die Wahrnehmung einer Frau
einer Mutter
die miterlebte und fühlte

mache ich doch besser ein Erlebnis daraus
eine Erinnerung

Zusammenfassung vieler Ereignisse
mit Fakten
Tatsachen
Gesprächen
Sitzungen

Briefe – vielleicht mehr eine Briefsammlung
Aufnahmen ganz heimlich
um wortwörtlich auf Papier zu bringen
was gesagt wurde
und passierte

der Bericht ist zeitlos
irgendwie zeitlos

eine unterschriebene Vollmacht
Stell Dir vor, Du brauchst Hilfe, Du für Dein Kind.
Du suchst nach der Heilquelle in diesem Lande.
Eine Heilquelle in diesem Lande schaut, analysiert, berät,
erklärt Zuständigkeiten und verweist weiter
an andere Heilquellen in diesem Lande.

Heilquellen in diesem Lande mehren und sammeln sich vor Dir.
Oder viel mehr, man schickte Dich, um sie zu holen.
Sie liefen sich warm und wurden tätig.
Du gibst ihnen eine Existenz.
Sie laufen heißer.

Verkoppeln sich ineinander.
Der guten Zusammenarbeit halber,
sagen sie,
glauben sie.

Vollständig mit allen Zuständigkeiten bilden sie eine Einheit.
Mit der Vollmacht, die Du unterschrieben hast.
Vertraue, vertraue, raten sie Dir
lächelnd.

Das Rad der Heilquellen in diesem Lande dreht sich schneller.
Tauscht Informationen aus, von denen Du nichts ahnst.
Sie verformen Deine Sätze, Deine Aussagen,
der routinierten Arbeit zum Vorteil.

Sie schütteln sich die Hände
tuschelnd,
tänzelnd um Dich herum.

Legen Dich lahm, rauben Dir die Kraft, machen Dich krank.
Wollen, dass Du krank wirst, damit Du sie nicht mehr störst.
Mit der Vollmacht, die Du unterschrieben hast.

Sie wechseln auch Personen aus, die, die inkompetent sind.
Inkompetent sind die, die es anders machen wollen,
die Systembrecher.

Keine Heilquelle in diesem Lande macht einen Fehler.
Das bestätigen sie sich gegenseitig.

Alle sind mit sich zufrieden in diesem Lande.
Heilquellen in diesem Lande.
Richtig gut geformt schmücken sie sich mit Pfauenfedern.
Mit der Existenz, die Du ihnen gabst.

Sie nennen sich Team.
Gegenseitig, untereinander bestaunen sie
ihre korrekte Einheit.

Jahrzehnte arbeiten manche in dieser Einheit.
Sie kennen sich, beschenken sich,
feiern zusammen und freuen sich.
Du weißt das nicht.

Doch sie kennen sich untereinander.
Sie scheuen nicht die Propaganda für sich.
Dann, wenn Du sie alle holen sollst.

Vor Dir gab es auch schon Menschen.
Die Vollmachten unterschrieben.
Ohne an Deine Vollmacht zu denken,
unterschreibtest Du.

Teufelsgelächter.
Deine Rechte, ihre Rechte,
wo bleiben die Rechte Deines Kindes?
In den Quellen dieses Landes.

Du gabst den Stoff.
Sie werden größer, dichter, fester, zur Burgmauer.
Einer staatlichen Mauer, die Du noch nicht kanntest.

Sie lassen Dich nicht mitmachen.
Sie haben ihre eigenen Interessen.
Da warst Du nicht mit eingeplant.

Dein Kind fällt in ein tiefes schwarzes Loch.
Du fällst hinterher.

70 Jahre hinunter?
70 Jahre zurück?

Ach was, es sind die Quellen in diesem Lande.
Gut verstrickte Resultate zum Ergebnis
gegen Dich und Dein Kind sind fertig.

Gut gefestigt in ein Muster geformt mit der Vollmacht,
die Du unterschrieben hast.

Alles fertig konstruiert, eine feste Struktur,
die sich niemals töten lässt,
unsterblich

im Gegensatz zu Dir
und Deinem Kind.

geschieden
getrennt,
geschieden,
um Ruhe zu finden,
zu sich zu kommen,
einen neuen Lebensweg zu finden
mit besserer Akzeptanz,

getrennt,
geschieden,
um weiter zu hassen,
zu verachten, was man einmal geliebt,
noch mehr Niedertracht schicken,
als es schon gab.

Hass wachsen lassend,
wütend lügend, hässlich weinend,
alles gegen das Kind,
das Dünnhäutige

zerreißend,
Besitz ergreifend
jahrelang?

zufrieden
zufrieden
geschmiedet sind Pläne zum Frieden,
formuliert werden Briefe,
Einladungen zu Verhandlungen und Gespräche,
der Text ist im Kopf, zu Hause wird geschrieben,
zufrieden

in Frieden
Herr Baumgart wird sie lesen,
Er hat jetzt seine Lösung – einverstanden,
alle sollen sich mit ihm zusammensetzen,
Opa, Oma, Vater, Mutter - für Simon,
in Frieden

in Frieden
lernen sie alle,
wie wichtig jeder jede Person für Simon ist,
denn Simon möchte sie alle lieben,
in Frieden

zufrieden
reicher fühlt Simon sich,
wenn er sie alle hat,
Opa, Oma, Vater, Mutter,
sicherer fühlt er sich,
denn er darf sie bald alle lieben,
zufrieden

zufrieden
Frieden geschlossen
nur für ein glückliches Kind,
nur so geht es, und das macht Sinn,
sich nicht mehr zu bekriegen,
schließt Frieden,
zufrieden.

erschrecken
Schrecklich!
Ich schaue auf die Briefe.
Ich schaue auf die Trümmerhaufen.
So viel geraubte Lebenszeit.

Wann wird mein Sohn mich wieder verstehen können?


Hilfe !!!

Ich bin dreizehn.
Ich bin in der Klapse.
Wer holt mich hier raus?

Sehstörungen, wacklige Beine, Schwächeanfälle, Kreislaufbeschwerden, zittrige Hände beim Schreiben, traurig machen die Medikamente, und ich soll davon glücklich werden. Die behaupten, ich wäre jetzt viel besser drauf. Das stimmt nicht, ich war zu Hause viel glücklicher.

Die anderen Probleme zu Hause, den Streit zwischen Vater und Mutter um mich, hätte ich schon alleine irgendwann aus der Welt schaffen können. Ich konnte draußen mit meinen Freunden spielen. Jetzt bin ich lustlos und traurig.

Die Tabletten sollen glücklicher machen und ich weiß,
ich muss bald sterben,

Hilfe!
Ich bin dreizehn
Wer holt mich hier raus?“


einzigartig
einzigartig
wir sitzen im Garten
auf dem nicht gemähten Rasen

einzigartig
jeder Halm ist einzigartig
jedes Blatt und jede Blume
jede Maus und jeder Igel
einzigartig

einzigartig
jeder Mensch ist einzigartig
und von Minute zu Minute fühlt er ein ganz klein wenig anders – einzigartig

einzigartig
jede Woche einzigartig und anders als die letzte
man kann sie ein wenig steuern

jeder Tag ist einzigartig und nicht so wie der letzte
jede Stunde unfassbar
jede Minute
einzigartig

jede Wolke einzigartig und nach jeder Sekunde verändert sie sich
jedes Geschehen einmalig
nichts kommt mehr so wie es mal kam
wenn doch gehen wir anders damit um
logisch

schlaflos
Ilka schläft nicht,
Ilka träumt,
sie wünscht, Simon würde einschlafen,
ganz in Ruhe,
niemand würde ihn mehr quälen können,
ganz ruhig würde er einschlafen
Ilka wünscht,
Simon wäre tot.

Ilka schläft nicht,
Ilka träumt,
sie wünscht und stellt sich vor,
Simon und Ilka sitzen oben schwebend
auf dem Dach des Domes von K,
ganz in Ruhe,
zufrieden gelassen von allen.

Unten sehen sie beide teilnahmslos,
wie sie gesucht werden.
Die Psychiater der „Klinik“ suchen und suchen
und suchen sie beide.

Psychiater laufen um den Dom herum.
Psychiater verschwinden in den Türen.
Und kommen wieder irgendwo aus den Fenstern
oder den Türen des Domes heraus.

Psychiater beschimpfen sich gegenseitig,
weil sie Simon nicht finden.
Psychiater laufen immer,
immer schneller und hektischer.

Ilka und Simon schweben
immer noch ruhig auf dem Dach des Domes.
Sie sind tot und unerreichbar für Jedermann.

Die Psychiater unten werden schneller,
immer noch schneller und suchen,
- rasend.

Ilka schläft nicht,
Ilka träumt,
sie wünscht und stellt sich vor,
Simon und Ilka sitzen auf der Apfelplantage,
in K auf dem Rasen.
Die Sonne scheint.
Der Wind weht leicht und locker.
Beide sitzen sie zusammen,
fühlen sich ruhig und sicher.
Sie schweben leicht auf der Wiese herum.

Die Psychiater kommen.
Simon und Ilka werden entdeckt.
Die Psychiater rennen wütend auf Simon und Ilka zu.

Psychiater rennen und rennen,
doch sie erreichen Simon nicht.

Psychiater schaffen es nicht näher heran
an Simon zu kommen.

Psychiater bleiben laufend auf demselben Fleck.
Sie strecken Arme und Hände,
um Simon und Ilka zu greifen,

immer mehr und immer gieriger nach ihnen greifend, - krallend.
Sie können Simon und Ilka nicht fassen.

Schreiend greifen Psychiater
sich gegenseitig in ihre Gesichter und ihre Körper.
Sie zerfleischen sich untereinander.

lieben in einer Hülle von Sicherheit
Sicherheit geben.
Simon Sicherheit geben.
Mond gib uns Sicherheit!

„Bitte, könntest Du mir etwas Sicherheit geben?
Etwas Geborgenheit, Wärme, Licht und Kraft?“

„Ja, komm zu mir, ich hab es, Du fühlst es.
Ich habe es hier jetzt und heute.

Eine halbe Stunde, zwei oder drei.
Ein halbes Jahr, zwei Jahre oder
eine volle Minute.

Aber nimm sie!
bitte, sie ist für Dich da!
Jetzt, kostbar und unersetzlich.
Fülle Dich damit auf.“

ergraut
Grau,
die Zeit steht still.
Das dunkle Zimmer und die wenigen Verpflichtungen
laden ein,
bewegungslos zu bleiben,

wach und leer im Bett herumschauend,
freiwillig gefesselt – egal.

Es passiert nichts, in diesem Augenblick - die Zeit steht still.
Der Augenblick vergeht nicht mehr.
In der ganzen Welt, ich spüre es.

Wer hat die Welt zum Stillstand gebracht?
Wer hat die Welt lahmgelegt?
Sind es die Menschen selbst, haben sie im tiefsten Grau die Zeit gestoppt?

Dann sind sie ehrlich mit sich selbst.
Was hätten sie Besseres tun können,
als im tiefsten Grau die Welt zu stoppen?
Ihre innere Atmosphäre in die Welt hinausgetragen?
Haben die Menschen die Welt so grau gemacht?

widerwillig
Wie ein Zombie,
ach, drücke ich mich etwas ethischer
und realistischer aus:
Wie eine Mumie erhebt sich mein Körper steif
und willenlos aus dem Bett,
gelähmt, verformt,
jetzt steht er senkrecht,

Energie? - Verbraucht!
Leid und Schmerz? - Vollgestopft.
Die Masse,
die einmal mein Körper war,
richtet sich zum Fenster.
Nüchtern betrachten die Augen die Gegenwart,
draußen.

Ja, die Welt ist stehen geblieben.
Und das in dem allerhässlichsten Moment,
den sie überhaupt jemals von sich zeigte.
Die Straße bleibt leer.
Die Betonwände der Häuser bleiben halb nass,
halb trocken - immer da.
Mondlandschaft.

Die einst vom Schneetau
matschig gewordenen und dann wieder festgefrorenen Reifenspuren
auf der Straße,
sie bleiben immer da.
Der farblose, eintönige Himmel quillt auf
und drückt nach unten auf uns,
auf die schon leeren Ruinen der Menschenköpfe.

Ihre Körper, schwer und unbeweglich,
mit schwerfälligen Beinen geistern
die ersten Aufgestandenen die Straße entlang.

Dort ein paar erfrorene Haustiere,
steif geworden an der Hausmauer.
Mit hoch abstehendem Fell
und aufgerissenen Mäulern.

Sind sie im Schrecken gestorben?
Die Welt ist in eine Hülle geraten,
in ein großes graues Computergehäuse,
zeitlos und unbeweglich.

Ich habe mich noch einmal zum Fenster gerangelt.
Nicht aus Neugier – nur so – ich weiß nicht.
Stehen geblieben alles,
in dem allerhässlichsten Augenblick.

abgeprallt
Ilka prallte ab,
an den Mauern hinter der Psychiatrie,
dem Jugendamt und dem Gericht,
mit Männern darin,
taub und dreist, nie scheu geworden,
ihre Meinung durchzusetzen,
so paranoid die Meinung auch erscheinen mag.

Ilka prallte ab,
an den Mauern hinter der Psychiatrie,
dem Jugendamt und dem Gericht,
mit Männern darin,
stumpf, schwerbeweglich und bürokratiebelastet,
vergessen sie die Verantwortung,
die diese Stühle, auf denen sie sitzen,
vielleicht einst haben sollten.

Ilka prallte ab,
an den Mauern hinter der Psychiatrie,
dem Jugendamt und dem Gericht,
mit Männern darin.
Sie haben eine Waffe
gegen eine einzelne Frau,
eine einzelne alleinstehende Frau,
die wieder leben möchte mit Würde
und mit ihrem Kind.

Ilka prallte ab,
an den Mauern hinter der Psychiatrie,
dem Jugendamt und dem Gericht,
mit Männern darin.
Die Waffe dieser Männer ist leicht anzuwenden,
primitiv und übel zugleich.
Aber wirksam.

Sie behaupten,
diese Frau sei psychisch krank,
hin und wieder anders formuliert.

Sie haben keine Sorge, erfolgreich dagegen verklagt zu werden,
falls sie Unrecht haben sollten.

Ilka prallte ab,
an den Mauern hinter der Psychiatrie,
dem Jugendamt und dem Gericht,
mit Männern darin,
die dafür sorgen,
dass das Umfeld stimmt, bleibt, wie es ist,
dann wird sie vielleicht krank!

sich lieben sich akzeptieren
Heißt?
Selbstakzeptanz
Man muss sich selbst lieb haben.
Man muss sich akzeptieren mit dem, was man kann,
und mit dem, was man nicht kann.

Man muss sich lieb haben,
auch seine Fehler akzeptieren können.

Man muss sich lieb haben
und seine Probleme kennen lernen und akzeptieren.
Nur so sind sie zu lösen.

Bist Du einmal krank,
hast Bauchweh, Fuß- oder Kopfschmerzen,
musst Du die Stellen Deines kranken Körpers lieb haben.
Dann wird’s besser.

Du hast gute Gründe,
Dich selbst lieb zu haben und zu akzeptieren,
denn Du bist großartig.

Problemlösung
Wenn Du Dich lieb hast,
kannst Du besser über Deine Probleme sprechen,
denn Du akzeptierst Dich mit Deinen Problemen.
Und so löst man Probleme am besten.

kochen oder kühlen
Kochrezept:
man nehme einen alten Ledersack,
der so ca. 60 Liter trägt.
Lasse einen Esslöffel Mineralien
und einen halben Liter Wasser hinein.

Dann kommt ein Teelöffel Stolz,
ein Teelöffel Arroganz
und ein Teelöffel Selbstbewusstsein hinzu.

Ebenfalls etwas Neid,
Hass und Gewalt,
jeweils ein Teelöffel.

Mann lasse alles gären, bis die hohle Zelle voll ist.


Was entsteht?
Ein Mensch!
So entsteht ein Mensch!

hässliche Welt
Die Welt ist hässlich,
am hässlichsten sind aber Menschen
Nichts ist hässlicher als unsere Welt,
in der nur hässliche Menschen wohnen.
Allerhässlichste Menschen.
Menschen können Sieges erhoben glücklich sein,
wenn sie sich gegenseitig
zermetzeln und zerfleischen können.
Was unterscheidet einen Menschen von einem Ork?
Es gibt den Ork nicht wirklich,
den Menschen aber leider doch.
Der Mensch hat im Märchen den Ork erfunden.
Wird er darauf aufmerksam gemacht,
dass er und der Ork dieselben sind,
schlägt er das Märchenbuch zu.

entscheiden
Ich entschied mich für mein Kind,
für die Gunst meines Kindes, das mithörte.
Ich ließ die Schule meines Kindes Schule sein,
obwohl es gerade gelernt hatte,
wieder Spaß daran zu haben.

Ich ließ das erwünschte gute Zeugnis,
und den lang ersehnten Erfolg meines Kindes zu Boden sinken
und entschied mich für die Gunst meines Kindes.
Ich gab die gute Erziehung auf, die mir sagte,
„Das kann doch jetzt kein Grund sein.“

Ich entschied mich für mein Kind
für die Gunst meines Kindes,
nicht für das vorläufige Sorgerecht,
in dem steht, dass ich mich jetzt, in diesem Augenblick,
strafbar mache und es soeben verloren habe,
mit der Klausel darin, die meint,
ich solle Simon in der Einrichtung lassen,
bis Ärzte anders entscheiden.

Ich entschied mich für die Gunst meines Kindes.

verlorene Menschheit
Es gibt Menschen,
die treten ihre Freunde nieder.
Sie treten, treten und treten
und hoffen auf Geld.

Es gibt Menschen,
die saugen die Menschen aus.
Jedes rote Tröpfchen Blut,
bis zum allerletzten.

Es gibt Menschen,
die höhlen Menschen von innen aus.
Sie kratzen, kratzen und kratzen
das Innere sauber weg.
Bis zum dunklen Nichts.
Dann stellen sie Akten in ihnen hinein.

Es gibt Menschen,
die verraten nicht,
dass sie längst Nazis geworden sind.
Denn sie brauchen Diener.
Sie wollen immer mehr werden
für böse Taten mit verdrehter Wahrheit,
wie eine treffende Begründung für Ahnungslose,
eiskalt und berechnend.

Es gibt Menschen,
die hassen, hassen und hassen.
Bis sie verkrampft niederfallen und daran sterben.

Es gibt Menschen,
die lassen Bomben auf Menschen fallen.
Auf ihre Kinder, auf ihre Städte,
auf ihre Chemiefabriken und Atomkraftwerke.
Und sie haben einen Grund gefunden,
es zu tun.

Es gibt Menschen,
die verachten die Anderen.
Sie verachten, verachten und verachten.
Bis sie nicht mehr können und wahnsinnig werden.

Es gibt Menschen
die vergasen die Anderen.
Millionen von Anderen
denn sie sind es nicht selbst.

Es gibt Menschen,
die treten die Geschenke der anderen nieder,
ihre Liebe, die geschenkten Urlaubstage,
alle Mühe, alle Kraft.
Sie wünschen dem Schenker
einen Sturz in die Klippen des Bodetals.

Es gibt Menschen, die haben keine Mutter.
Es gibt Menschen, die verraten ihre Mutter.
Es gibt Menschen, die treten ihre Mutter.
Treten, treten und treten,

denn sie glauben,
die wird nicht mehr gebraucht.

Es gibt Menschen,
die hat es nie,
niemals gegeben.

Denn sie hatten keine Mutter.

warnen
Warnen
vor Jugendämtern,
die nicht leisten,
was sie versprechen,
Hilfesuchende verlassen,
um sich möglicher Weise der stärkeren Seite zu widmen,
mit der sie noch lange zusammenzuarbeiten haben.

Warnen
vor Psychiatern in Anstalten,
die eventuell aus wirtschaftlichem Interesse
unmenschlich handeln
oder vielleicht ihren eigen Übungsplatz schaffen,
um Macht entwickeln zu können,
um mehr Grenzen überschreiten zu können,
mit Kindern, deren Sorgerecht die Eltern nicht haben.

Warnen
vor Richtern und Gerichtsgutachterinnen,
die der stärken Seite zugetan sind,
für den Weg mit dem geringsten Widerstand,
da sie auch noch lang zusammenarbeiten,
in diesem Lande.

Warnen
davor, sich die Rechte nehmen zu lassen.

Gedichtet von Brecht:
Wir brauchen keinen Hurrikan,
Wir brauchen kein Taifun,
das was die schrecklich tun können,
das können wir selber tun.

Ein Frage- und Antwortspiel von mir:
Menschen!
Ich dachte, die sind wie - ich.
Alle seien mir ähnlich,
leben und handeln wie - ich.

Ist etwas anders?
Ich will es wissen, Menschenkenner sein,
habe ein Recht darauf,
alles zu wissen,

immer mehr und alles wissen über
- Menschen.

Habe ich schon jemals irgendeinen gekannt?
- Was schweigt da?

Ein Vorhaben, was ich auch aufgegeben kann?
- Wo sind wir?

Aber wenn ich aufgebe,
dann gebe ich meine Schuldzusprechung auf!
- Wirklich?
- Will ich das?

Los, los, ich will jetzt eine Antwort!
Von mir selbst.

Ich habe ein Recht darauf!

Recht auf Vertrauen
Recht auf Worte, Reden und Auseinandersetzungen.

Niemals habe ich dich so verraten.
Also tust du es nicht mit mir!
Es gibt immer die Möglichkeit der besseren oder besten Wege,
- nicht der leichtesten.
Ein Happyend?

- Gelächter aus der Hölle.

Jeder hat die Veranlagung, ein Happyend zu geben.
- Ja, die Veranlagung schon.

Die Motivation, den Reiz, die Intuition für den richtigen Weg.
- Schaffe ihn!
Schaffst du ihn?

Es kann auch fehlgeleitet werden.
Also lassen wir es besser?
Wie auch immer,
- wer weiß?

schutzlos und niemand ist dagewesen
Kein Gott in der Nähe, nirgends, niemals war Gott hier!
Keine Ausgestoßenen, keine Geschändeten und Gemordeten,
sind da - für einen Rat.
Ich leide an Prellungen, habe Schmerzen.
Es tut mir gut.
Aus!

Alles leer!
Schreie, Schreie, immer noch, ich schreie.
Peter hält mich immer noch.
Ich kann mich nicht mehr hinwerfen.

emotionsgeladen
emotionsgeladene Körper sprechen
heute ständig mit Wort und Schrift,
immer noch sich ereifernd
und nur noch von mittelalterlichen Verhältnissen,
außerhalb ihrer eigenen Welt.

Mit heftigsten, brutalsten Darstellungen
der anderen Welten,
in denen sie nicht leben.
Je mehr sie das Mittelalter woanders wahrnehmen,
desto weniger fällt ihnen auf,
wie sich ihre Welt verändert,
und das Mittelalter näher und näher rückt.

Mit ihrer Sichtweise und ihrer Wahrnehmung
haben sie es zu sich geholt.
Mit ihren Gedanken, mit ihrem Wort,
mit dogmatischem Herüberschauen
lassen sie diese Werke entstehen
und wachsen in ihrer eigenen Welt.

Und sie merken es nicht.
Nichts schlimmer, als das Mittelalter heute.
Es entstand durch interne Richtlinien und Bedürfnisse,
zunehmende Machtansprüche.

Denen man das Wasser nicht mehr reichen kann.
Sie sitzen zu hoch.
Die Mauern vor ihnen sind hoch geworden.
Sie können doch umkehren.
Wir reden wohl alle aneinander vorbei.

Vielleicht ist ja wenigstens
high tec und bio tec
in unseren Köpfen.

„Opa, warum steht diese Mauer da?“
Der Opa hörte, schwieg und mit ernstem Gesicht verrichtete er weiter seine Arbeit auf dem Hof einer Altbausiedlung in unserer Stadt. Ich saß auf meinem Ball, die Mauer von weitem betrachtend. Sie war hoch wie die Häuser. Sie war lang und dick. Wie lang und dick, ließ sich nicht überschauen. Gut angeordnete rostige, große, spitze Haken schauten aus der Mauer weit oben heraus. Der Rost der Haken setzte sich um die Haken und weiter unter den Haken im Mauerwerk ab. Die Mauer war alt. Sie verriet nichts über sich. Sie trennte Höfe, Häuser, Menschen und spielende Kinder auf der anderen Seite. „Opa, ich mag die Mauer nicht. Warum steht die Mauer da?“ Der Opa wurde noch stiller. Ab jetzt wird er niemals mehr etwas über die Mauer verraten, und wenn Opas schweigen, steckt ein wirkliches Geheimnis dahinter. Hämisch schaute mir die Mauer mit ihren Haken entgegen. Sie war es, die den Opa zum Schweigen brachte.


Tintenfass

Freie Gruppe
Buch und Kunstwerkstatt in Braunschweig

… es knistert …

… oder brennt es schon? …


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