am sechsundzwanzigsten Novembertag irgendwann
Meine Hilferufe wenden sich inzwischen an die öffentlichen Medien, Politiker und kompetente Wissenschaftler. Ich gebe eine Petition heraus und erfahre mehr über Andy, der sich immer noch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in K befindet.


Andys Geschichte
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in K
geht weiter

Die Eichenholzzeitmaschine muss ich jetzt noch einmal etwas zurückdrehen, mehr zum Anfang des Jahres, zu der Stelle, an der parallel zu unserer Geschichte, Simon noch gar nicht sehr lange im Heim verweilt. Etwa zwei Monate. Nur um zu sehen, was sich in der Zwischenzeit bei Andy getan hat, wann kann Andy die Psychiatrie verlassen?

Zu Andys Vater und der Exfreundin habe ich noch Kontakt. Die Exfreundin will immer noch helfen, wenn sie irgendwie kann. Sie wird diejenige sein, die mich bald anruft. Kontakt halte ich inzwischen auch zu Andys Großmutter. Auch die Familie hat bald einen Gerichtstermin und sie kämpfen darum, dass Andys Vater das Sorgerecht für seinen Sohn bekommt. Wieder einmal und immer noch, obwohl seine leibliche Mutter gestorben ist. Sie hatte vorher das Sorgerecht für Andy. Ich habe für den nächsten Gerichtstermin Andys Vater eine Zeugenaussage geschrieben. Ein bisschen Schriftkram für Andy und seinen Vater.


Meine schriftliche Aussage für Andys Vater und sein Sorgerecht:
"Vor einigen Monaten lernte ich, Ilka Hölzer, Andy K. im Landeskrankenhaus in K kennen, da ich meinen eigenen Sohn, Simon Hölzer, der ebenfalls dort stationär behandelt wurde, besuchte.

Wir unterhielten uns oft lange, Andy und ich. Meistens erzählte der dreizehnjährige Junge sehr viel über sich, seine Familie, die allgemeinen aktuellen Geschehnisse und über seine Probleme. Er vermisse den Besuch seiner Eltern sehr, wobei er nie erwähnte, dass ja seine Mutter, von der er ständig sprach, eigentliche seine Stiefmutter ist mit Namen A. H.

Mich veranlassten seine Erzählungen, diese Eltern, die ihn nie besuchten oder besuchen konnten, telefonisch anzusprechen. Ich habe weder eine pädagogische noch psychologische Ausbildung. Dennoch bin ich der Meinung, dass es für Andy, seine Gesundheit und sein Wohlbefinden, wichtig ist, recht bald wieder Halt und Geborgenheit bei seinen Eltern, so nennt er die beiden, zu finden. Ich würde mich vom Herzen freuen, wenn dies für Andy bald Wirklichkeit wird." Ilka Hölzer


Andys Vater wird den Gerichtsprozess aber verlieren, in ähnlicher Weise wie ich. Nur noch eine Nummer härter, betreffend der Niedertracht im Umgang mit Menschen. Mein schriftliches Gutachten half denen nicht. Der Vater schlägt sich jahrelang zwischen Gericht und Institutionen herum, um seinen Sohn endlich wiederzubekommen. Andy hat immer wieder Hoffnung. Auch diesmal hatte er Hoffnung. Vergeblich. Er kann die Psychiatrie nicht verlassen und ist bereits annähernd zehn Monate dort. Andys Vater, Jonas, hat eine Dokumentensammlung von mir bekommen. Eine ganze Akte voller Fotokopien, Stellungnahmen und Beiträgen. Er möchte sehen, was er an Anregung entnehmen kann und was ihnen und uns helfen könnte.

Die Eichenholzzeitmaschine läuft weiter. Andys Stiefmama kontaktiert im Internet. Da ist etwas.


Während Simon im Heim
heimlich Medikamente reduziert,
suche ich Rückendeckung

Hilfe und mehr Sicherheit
durch öffentliche Medien?

Immer wieder und die ganze Zeit über, während Simon sich im Kinderheim befindet, werde ich versuchen, Hilfe durch öffentliche Medien zu beschaffen, denn mein Bedürfnis an Sicherheit wird immer größer, je mehr klar wird, wie wenig Sicherheit eigentlich real vorhanden ist. Auch wenn die Ärzte aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie vom Spielfeld genommen wurden.

 

Neuer Skandal
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in K

Die Eichenholzzeitmaschine zeigt mir wieder die Osterzeit zur Zeit des Heimaufenthalts von Simon. Es ist Wochenende und Simon hat an diesem Wochenende den Vater besucht und nicht mich. Mit einem Freund plane ich gerade eine Radtour am Morgen. Der Picknickkorb ist fertig. Wir einigen uns jetzt darauf, flussaufwärts zu fahren und wollen sehen, wohin und wie weit wir kommen. Die Planung geschah wieder einmal am Telefon. Ich werde also bald abgeholt. Nachdem ich das erfahren habe, lege ich den Telefonhörer wieder nieder und kehre dem Gerät meinen Rücken zu. Kaum habe ich aufgelegt, schon klingelt es hinter meinem Rücken laut. Ich erschrecke. Damit habe ich nicht gerechnet. Erst recht habe ich Andys Stiefmutter nicht am Telefon erwartet, denn sie haben sich doch getrennt, Anita und Jonas. Denn ihre Anrufe wurden seitdem seltener. Trotz allem ruft sie mich jetzt ganz aufgeregt an. Ich muss noch ein wenig fragen, denn alles verstehe ich nicht gleich, was so alles sagte. Sie ist so aufgeregt. Ich bekomme nur Aussagen mit, worauf ich mir keinen Reim machen kann. Ich lasse sie fertig reden. Dann frage ich langsam nach Informationen, die ich brauche, die in meinen Kopf so allmählich einfließen: „Wer ist in Handschellen abgeführt worden? Andys Papa? Dr. Stampfstein hat den beiden Besuchszeit mit Ausflug erlaubt und dann Jonas festgenommen? Wie einen Schwerverbrecher ist er jetzt in der Strafpsychiatrie? Er kommt nicht mehr raus? Festnehmen lassen durch die Polizei? Ja, natürlich werde ich Jonas besuchen, wenn es klappt! Ich bin ja in der Nähe! Ich habe mit einem Freund eine Radtour geplant! Andy hat gesehen, wie sein Vater in Handschellen abgeführt wurde? Ja, ich versuche auch Andy zu besuchen!“

„Unsere Radtour fällt deswegen nicht in Eimer. Wenigstens wissen wir jetzt, wo es hingeht. Wir haben ein richtiges Ziel. Wo ist Jonas jetzt? Ah in dem Neubau der Psychiatrie! Wir werden fahren hin! Wir besuchen Jonas! Wir fahren auch gleich los. Ich werde gleich abgeholt. Ich rufe dich am Abend wieder an, Anita!“

Es klingelt schon an der Tür. Wir haben wohl doch lange zusammen telefoniert. Hajo steht schon mit seinem Fahrrad für die Radtour bereit. „Hi, Hajo, ich kenne jetzt unsere Fahrroute.“ Wir begrüßen uns und fahren bald darauf los in Richtung der Psychiatrie in K.

Unterwegs erkläre ich Hajo, was sich zugetragen hat und wo wir hinfahren. Das Wetter ist schön. Ich fühle mich frei, denn ich selbst besuche zwar die Folterkammer, weiß aber, Simon und ich, wir sind davon befreit.

Fröhlich fahre ich mit Hajo in die Ortschaft des Schreckens. Fröhlich fahre ich hinein in das Gelände, das mich vor kurzer Zeit noch fassen und nieder stampfen wollte, aber jetzt keine Macht mehr über mich hat. Ich lache. Ich lache das Gelände der Psychiatrie aus und fahre immer weiter hinein in das Areal. Wir fahren geradewegs auf das Gebäude zu, in dem Jonas als Straftäter sitzen muss. Ich gehe durch den Haupteingang und ziehe Hajo, der nicht ortskundig ist, hinter mir her.

Im dritten Stock zeigen wir unsere Ausweise vor. Wir werden registriert. Ich beantworte eine Menge Fragen und sage, wen wir besuchen wollen. Währenddessen ist eine Menge Chaos im Gebäude. Ich spüre die Strenge, die kaputten Menschen, die verschlossenen Türen und Glastüren, indem viele Menschen gefangen gehalten werden. Eine Menge Unruhe spüre ich um mich herum. Wir dürfen uns in eine Warteecke setzen. Ich schaue auf die Menschen, die auf das Aufsichtsbüro zugehen. Welcher von ihnen könnte Jonas sein? Ich kenne nur seine Stimme vom Telefon her, mit Hamburger Dialekt. Bald werden Hajo und ich in ein Besuchszimmer mit Glastüren geführt. Ich glotze einem großen dunkelhaarigen kräftig gebauten Mann ins Gesicht. Wir begrüßen uns und stellen uns gegenseitig vor, Jonas, Ilka, Hajo. Hajo und ich hören uns Jonas Geschichte und seine Pläne an.

Dann drückt mir Jonas seinen Autoschlüssel in die Hand. Wir gehen ans Fenster und er zeigt, wohin ich sein Auto stellen solle, das immer noch vor dem Kinderhaus steht vom Dr. Stampfstein steht. Er sagt, er fühle sich einfach wohler, wenn sein Auto in seiner Nähe steht und er es beobachten kann. Außerdem braucht er noch diverse Unterlagen und Waschmittel, die ich ihm ebenfalls holen solle. Doch ich sage ihm, es wird ein wenig länger dauern. Wir wollen Andy erst besuchen. Er ist einverstanden. Wir verabschieden uns von Jonas, und wollen die Räumlichkeiten verlassen, raus in die Freiheit, um den soeben aufgetragenen Auftrag zu erfüllen. Am Pförtnerhäuschen werde ich festgehalten. Ein aufmerksamer Pfleger will wissen, weshalb ich den Autoschlüssel bekommen habe und was ich damit vorhabe. Er annulliert meine Aussage, dass wir Freunde und Bekannte sind und ich den Auftrag habe, das Auto des in der Klapse festgehaltenen Jonas umzuparken: „Ich habe beobachtet, Sie kannten sich vorher nicht. Sie haben sich gerade erst kennen gelernt. Also, was machen Sie jetzt mit seinem Autoschlüssel?“

Jetzt ereifere ich mich vor dem Pfleger. Ich erzähle von meinem Sohn, Simon, über mich und was wir erlebten, in dieser Psychiatrie. Ich erzähle über Andy und seinen Vater, was er erlebte. Auch erzähle ich über Dr. Stampfstein und frage, ob er Dr. Stampfstein kennt.

„Oh ja, ich kenne ihn. Er ist auch mein Vorgesetzter.“ Ich frage ihn, was er von seinem Vorgesetzten hält, doch er will darüber keine Auskünfte geben. Er verrät mir aber mit seinem ganzen Gesichtsausdruck, dass er nicht viel von seinem Vorgesetzten hält.

Dann lächelt mir zu. Ich stelle fest, dass er ein sehr sympathischer gut aussehender Mann ist. Er sagt: „Ich finde es gut, dass Sie beide zusammenhalten. Ich wünsche mir, dass die Patienten hier und auch die Eltern von Patienten zusammenhalten. Sie können gehen.“. Ich lächle nickend zurück und lächle Hajo, der hinter mir her eilt. Wir verlassen für eine Weile Jonas, um Andy zu besuchen.


Später bekommt Jonas noch eine schriftliche Zeugenaussage für den Richter und seinen weiteren Kampf:

"Am Sonnabendabend im April, rief mich Frau Anita H. an, die Stiefmutter von Andy K. und Freundin des Herrn Jonas K. Sie berichtete, dass Herr Jonas K. im Krankenhaus festgehalten werde, nachdem er ganz aus dem Norden, ungefähr dreihundert Kilometer entfernt, anreiste, um seinen Sohn zu besuchen, der in der Psychiatrie stationär behandelt wird.

Anfangs wurde allgemein gehofft, denn es war die Rede davon, dass Herr Jonas K. die Klinik in vierundzwanzig Stunden wieder verlassen könne. Dies geschah nicht. Ich nahm mir daraufhin eine Begleitung, Herrn Hajo L. mit, und besuchte mit meiner Begleitung Herrn K und später auch Andy K in der besagten Psychiatrie in K.

Andy kenne ich seit ungefähr gut einem halben Jahr als Mitbewohner eines Klinikzimmers, indem auch mein gleichaltriger Sohn eine Zeitlang wohnte. Seit längerem habe ich telefonischen Kontakt zu seinen Eltern, Vater und Stiefmutter. Ich weiß, dass diese, wenn überhaupt, ihren Jungen nur selten besuchen dürfen, und das ist nicht im Sinne des Jungen. Ich hörte vor drei oder vier Wochen, dass Herr K. jetzt seinen Sohn sozusagen fast erstmalig seit einem halben Jahr Krankenhausaufenthalt für sechs Stunden besuchen durfte. Danach wurde ein Tagesurlaub kurz vor Ostern vereinbart. Beide freuten sich darauf.

Herrn K. kannte ich bisher nur durch telefonische Gespräche. Er klang immer sehr klar, ruhig und überlegt. Trotz eines verlorenen Gerichtsurteils plante er neue Wege. Er gab und gibt die Hoffnung nicht auf, eine gute Lebensgrundlage mit einer gesunden Verbindung für sich und seinen Sohn zu schaffen, die von Amtswegen und erstaunlicher Weise sogar noch stärker von der Psychiatrie ständig, so scheint es, blockiert wird.

Am Ostermontag sah ich mit meiner Begleitung Herrn K. zum ersten Mal. Ich ging absichtlich unangemeldet zu Herrn K. Denn ich wollte mir auch ein Bild von ihm machen. Er schien wie am Telefon ruhig und durchdacht. Er lehnte Tabletten von der Psychiatrie, die ihn zwangsweise gefangen hält, ab. Er machte mir und meiner Begleitung nicht den Eindruck, als würde er sich etwas antun wollen oder in irgendeiner anderen Weise etwas Unüberlegtes tun. Wir sprachen von den Möglichkeiten und Wegen, dem Behördenapparat zu entkommen, in dem er feststeckte. Und auch diesmal hörten sich seine Wege vernünftig und geplant an.

Andys Vater sowie Andy selbst erzählten mir und meiner Begleitung, Hajo L., denselben Vorgang, obwohl die beiden auseinander gerissen wurden und sich nicht mehr sehen und zusammen sprechen durften:

Als Herr K. von H anreiste, um mit seinem Sohn einen Ausflug nach B. zu machen, um dort ins Kino zu fahren, wurde beiden gesagt, sie hätten sich längsten drei Stunden zusammen auf dem Gelände des Krankenhauses aufzuhalten, obwohl beiden vorher ein Tagesurlaub versprochen wurde. Es gab für beide keine Begründung, diesen Tagesurlaub zu stoppen. Diese Willkür seitens der psychiatrischen Anstalt wollten sich Vater und Sohn nicht gefallen lassen

Die Betrogenen glaubten jetzt zur Polizei fahren zu können und eine Anzeige wegen Willkür gegen den betreuenden Arzt Dr. Stampfstein aufgeben zu können. Der Polizeibeamte setzte sich mit der Psychiatrie in Verbindung und teilte dem hilfesuchenden Vater anschließend mit, dass ihm aus der Klinik mitgeteilt wurde, er habe das Sorgerecht für seinen Sohn nicht. Eine Anzeige könne sein Vater nach Auskunft der dortigen Polizei deswegen gar nicht stellen. Anstatt die beiden jetzt wieder gehen zu lassen, wurde der Junge auf der Wache festgehalten, während sein Vater ohne ihn die Wache verlassen sollte.

Mit amtlicher Gefühllosigkeit wurde der Vater noch einmal angewiesen, die Wache zu verlassen ohne seinen Sohn. Er blieb, um in der Nähe seines Sohnes zu bleiben, was in der Polizeiwache als sehr störend empfunden wurde. Hilflos irritiert sollte der Vater vor dem Wachbeamten dann festgestellt haben: „Also hat der Junge keinen Vater mehr? Und ich darf mich nicht einmal dagegen wehren? Also der Junge hat keinen Vater mehr!“.

Andy war besorgt über den Spruch seines Vaters. Dann wurde Andy von der Wache in das Kinderhaus nach K zurückgefahren. Sein Vater wollte aber auf den Besuch nicht verzichten und fuhr auch zurück. Er stand vor seinem Sohn und dem Personal im Foyer des Kinderhauses, als ihm hinterrücks Handschellen angelegt wurden, ohne Erklärung und ohne gewarnt zu werden. Sein Körper leistete automatisch Widerstand dagegen. Er wurde zu Boden gedrückt. Dann wurde er in die geschlossene Psychiatrie abgeführt und durfte seinen Sohn nicht mehr sehen.

Sein Sohn blieb im Kinderhaus zurück. Er sah seinen Vater nicht mehr. Er hörte aber, was weiter passierte und wusste, sein Vater ist nun ganz in seiner Nähe. Dort, wo die Erwachsene in der geschlossenen Anstalt untergebracht werden.

Diese Situation erschien dem Sohn gar nicht unsympathisch. Er freute sich, seinen Vater jetzt in der Nähe zu haben. Er besucht ihn täglich, obwohl er nicht darf. Er schaut hoch zum Fenster und winkt ständig seinem Papa zu. So sahen sich die beiden tagelang. Andy stellte Überlegungen an, sein Vater könne doch eigentlich oder eventuell so lange bleiben, bis dann beide zusammen wieder entlassen werden. Sein Vater befand sich jetzt in der geschlossenen Anstalt wie früher er. Der Anfang einer Laufbahn in der Psychiatrie in K. Es nicht lange dauern, dann würde Andys Vater die offene Station besuchen. Wenn er erst einmal auf der Offenen sei, könnten die beiden sich tagtäglich besuchen. So plante Andy und freute sich schon darauf. Ilka Hölzer"

Hajo und ich, wir freuten uns auch und gaben die gut durchdachte Überlegung seinem Vater weiter. Wir wollten seine Meinung darüber wissen. Der schien nicht allzu viel davon zu halten. Aber er reagierte verständnisvoll seinem Jungen gegenüber: „Na gut, verstehen kann man ihn ja.“

Es geht weiter in der Zeugenaussage:
"Zumindest war ich froh, dass Andy nicht so sehr litt, sondern aus schlechten Situationen Positives ziehen konnte. Er ist klug und scheint mit kindlich optimistischer Phantasie gelernt zu haben, auszuhalten, welches Dasein ihm von Amts wegen präsentiert wird. Er konnte das Fenster, wo sein Vater zu finden ist, besuchen und seinem Vater noch längere Zeit zuwinken. Bis er dabei gesehen wurde und deswegen keinen Ausgang mehr bekommt.

Diese katastrophalen Vorfälle mit Kindern und Eltern im Landeskrankenhaus in K durch Ärzte können keine menschlichen Fehler sein. Dass ist pure Absicht und Bösartigkeit, stellte ich schon früher fest. So etwas kann nicht aus Versehen passieren. Und wäre mir eventuell nicht auch viel Unrecht dort passiert, hätte ich es vielleicht nicht glauben können." Ilka Hölzer


Männer reagieren oft anders und lassen sich schneller provozieren als Frauen. Ich drehe die Eichenholzzeitmaschine wieder zurück und habe die Autoschlüssel von Jonas wieder in der Hand.

Ich stehe vor dem Kinderhaus. Das bekannte Gesicht, einer mir bekannten Krankenschwester steht vor der Eingang und klärt mich über mein Besuchsverbot auf, nachdem ich wünschte, Andy zu besuchen. Ich musste eine ganze Weile still aber offen lachen, nachdem ich das hörte. So glücklich und frei lache ich über das soeben erteilte Besuchsverbot und schaue dabei Hajo ins Gesicht und diskutiere dennoch mit der Krankenschwester weiter. Ich sage: „Aber wir haben gerade Andys Vater besucht und wollen Andy darüber berichten.“ Ich brauchte die Krankenschwester gar nicht aufzuklären, was ich vorhabe, denn sie sagt gerade, dass sie sich schon gedacht habe, dass ich seinen Vater besucht habe. Ich dürfte die Räumlichkeiten nicht betreten, mein Begleiter schon. Er könne Andy mitteilen, wie es seinem Vater gehe. Mein Begleiter findet es ziemlich ungünstig, wenn er alleine zu Andy gehe, denn die beiden kennen sich nicht. Er fragt höflich, ob Andy vielleicht rausgehen dürfe, wenn ich nicht hinein darf.

Kurze Zeit später steht Andy vor der Tür und begrüßt uns. Ich wedele mit dem Autoschlüssel: „Andy, kennst Du den Schlüssel?“ Andy freut sich, den Autoschlüssel seines Vaters in meiner Hand zu sehen. „Den hat mir Dein Papa anvertraut.“ Andy darf mit uns spazieren gehen, doch ich wage nicht ihn in das Auto seines Vaters zu lassen, um den Parkplatz zu wechseln. Hajo und er laufen also hinter mir her, während ich im Auto sitze, um zu dem von Jonas angewiesenen Parkplatz zu fahren. Wir stehen nun alle vor Papas Fenster. Andy, Hajo, ich und Papas Auto und winken fröhlich hoch.

Andy freut sich von den Haarspitzen bis zu den Fußsohlen, dass wir ihn und seinen Vater in der psychiatrischen Anstalt besuchen und ich den Autoschlüssel seines Vaters in der Hand halte. Deswegen gebe ich Jonas oben Handzeichen, die verständlich machen sollen, dass wir mit Andy noch spazieren gehen, bevor wir wieder hoch kommen. Jonas nickt. Er hat schon verstanden. Wir gehen spazieren und später will Andy uns jetzt seine Kunststücke, seine Basteleien aus Papier, aus Knetekitt, aber vor allen Dingen auch viele Sachen aus Ton zeigen. Darauf ist er ganz stolz. Und da er uns das jetzt zeigen will, habe ich kein Besuchsverbot mehr und darf die Räumlichkeiten des Kinderhauses betreten.

Vielleicht wollen sie zeigen, dass sie nicht nur schlecht sind, sondern auch Kreativität fördern. Andy jedenfalls scheint begabt in Tonarbeiten zu sein und bald sitzen wir oben bei seinem Vater und erzählen, was Andy alles gewerkelt hat. Ich mache dabei einen fröhlichen freien Eindruck, nehme jede Gelegenheit wahr, die Dinge und die Zukunft positiv zu sehen. Jonas meint freundlich herzlich, aber an sich selbst denkend zurückhaltend: „Dir merkt man an, dass Du Deinen Sohn im Trockenem hast.“


Dennoch bin ich verzweifelt am kämpfen
Eine homöopathische Behandlung
für Simon ist doch unsere Sache

Das wird nicht mehr ignoriert!

Nach langen diplomatischen Kämpfen und ebenso langen Zurückweisungen seitens Frau Piel, wird mir letztendlich doch noch das Recht zugestanden, Simon homöopathisch behandeln zu lassen. Die letzte Diskussion mit Frau Piel am Telefon erlaubt mir von nun an, meinen Sohn endlich homöopathisch behandeln zu lassen. Sie schreibt meine Termine in den Terminkalender, ich bedanke mich bei ihr für diese Erlaubnis, lege den Telefonhörer ab und falle erschöpft auf mein Sofa.

Der Homöopath, der Simon endlich jetzt auch offiziell behandeln darf, weiß von der heimlichen Medikamentenreduzierung. Er verrät das nicht. Er hat Schweigepflicht. Er darf nur sagen, was wir erlauben. Er berät uns nur weiter in der Reduzierung, deshalb weil Simon selbst entschlossen ist, weiter zu reduzieren.

Er fragt immer wieder, wie Simon sich mit dieser Reduzierung fühlt und akzeptiert das so. Heimlich denkt er wahrscheinlich auch: „Gut so.“ Er hört von Simon, seit der heimlichen Medikamentenreduzierung habe er ganz witzige Träume. Alle drei oder zwei Wochen reduziert er eine kleine Pille und scheint dabei keine Angst mehr zu haben, erwischt zu werden. Im Gegensatz zu mir. Das verrate ich vor ihm nicht, um meine Ängste nicht auf ihn zu übertragen. Obwohl ich glaube, er kennt sie.

Der Homöopath hat meine gesamten Unterlagen gelesen und kann sich gut vorstellen, was wir durchgemacht haben. Er wünscht sich jetzt, dass alle drei Institutionen, Heim, psychiatrische Praxis und seine homöopathische Behandlung gemeinsame Wege finden. Er wünscht sich Simons Vertrauen und das Vertrauen der Mutter. Eine Behandlung muss auf Vertrauensbasis laufen.

Er stellt sich der Heimleitung und der anderen Arztpraxis telefonisch und auch schriftlich vor, erklärt seine Behandlungsweise und fragt jetzt an, wie alle gemeinsam vorgehen können, damit Simon langsam anfängt, die Medikamente zu reduzieren und dabei sorgfältig beobachtet werden kann. Nur damit dies auch endlich offiziell erlaubt wird und wir alle gesund schlafen können.

Frau Piel, Herr Schwarz und auch Herr Dr. Walle aus H. sichern ihm eine Zusammenarbeit zu. Sie wollen ihn einbinden in allen Maßnahmen betreffend Simon. Doch der Homöopath, der auch eine schulmedizinische Ausbildung hat, kann nur immer ganz diplomatisch einen Standpunkt weitergeben, der letztendlich von den anderen Institutionen ignoriert werden wird. Mir wurde zwar eine Behandlung erlaubt ohne wirkliche Zusammenarbeit. Das ist nur halbeffektiv und ich bezahle dafür. Aber immerhin. Für teures Geld, Fahrtkosten und meine Nerven versuche ich weiter, Simon zu retten. Alles ist wertvoll.

Simon soll auf jeden Fall nie vergessen, die homöopathischen Medikamente zu nehmen. Das macht er auch. Das hat er verstanden. Sie schützen ihn und machen ihn sicher. Der Homöopath muss im Geschäft bleiben. Er kann später auch der Zeuge einer heimlichen Reduzierung, die sich als gut erwiesen hatte. Er ist eingeweiht und beobachtet Simon. Möglichst viele Vertrauenspersonen sollen wissen, dass Simon reduziert hat falls er erwischt wird. Nur wegen meiner Tiefenangst, die Heimleitung könnte bösartiger sein als vorstellbar.

Der Homöopath schlägt Simon vor, jederzeit zu ihm zu kommen, einfach die Straße runter, wenn er sich einmal nicht wohl fühle. Auch, wenn es um andere Dinge gehe, Erkältungskrankheit beispielsweise. Denn er hatte im Heim schon einmal Pfeiffersches Drüsenfieber durch Immunschwäche wegen der vielen harten Medikamente gehabt. Es wurde kein Hehl daraus gemacht, das die seine Immunschwäche durch die Medikamente kämen.

Doch die Heimleitung wird in Notfällen stets schneller über Simon handeln können, als ich einhundert Kilometer entfernt vom Heim es schaffen könnte, überlege ich. Und meine Bitte, mich mit Simon zum homöopathischen Arzt gehen zu lassen, wenn es um Erkältungs- oder um Infektionskrankheiten geht wird die Heimleitung genauso ignorieren. Wir haben zwar schon Schlimmeres als ein Kinderheim ohne Sorgerecht erlebt, aber Ignoranz und die ihnen erteilte Prokura des Jugendamtes sind auch sehr erdrückend und untragbar für unschuldige Menschen.


Schon ganz zu Beginn sagte eine Lehrerin
der Psychiatrie in K, Simon solle gleich in die normale Schule gehen
Er könne gut lernen

Und der Kampf um die öffentliche Schule
für Simon geht weiter

Erst nach den Sommerferien darf Simon in eine normale Schule gehen, was bereits Ostern versprochen worden war. Klar, hätte er die Medikamente nicht heimlich reduziert, hätte sich diese Situation auch nicht geändert. Aber endlich kann er die Schule besuchen.

Ansonsten ändert auf mein permanentes Nachfragen und meine diplomatische Mitarbeit nichts an der lähmenden Lage. Und der Herr von der Frankfurter Rundschau hat viel zu viel auf seinem Schreibtisch liegen, um sich doch noch an unseren Fall heran zu wagen. Er sagt mir am Telefon: „Was Sie erleben, erleben ganz viele. Ich bekomme viel zu viele Nachrichten und Hilfeschreie.“ Ich antworte: „Dann pflücken Sie sich doch einen Fall heraus. Berichten Sie wenigsten von einem der vielen Fälle. Es handelt sich hier übrigens um Kinder, um ganz junge Menschen, die kein Vertrauen mehr zu unserer Gesellschaft finden können und gesundheitlich zu leiden haben.“

Also, hätte ich seine Zeitungen gelesen, hätte ich gewusst, was er schon alles getan hatte. So ungefähr antworten mir auch andere Journalisten und Journalistinnen.

Dann werde ich in meiner eigenen Ortschaft nach ähnlichen Fällen und gleichgesinnten Eltern suchen, die sich untereinander schützen und stützen können, vor den staatlichen, amtlichen Maßnahmen gegen Menschenrechte.


Immer noch suche ich weiter nach Schritten und Möglichkeiten mit Ängsten, das Sorgerecht für meinen Sohn nicht zu bekommen und auch die anderen nicht Diskrepanzen lösen zu können.
Das Sorgerechtsverfahren läuft weiter
Hilferufe für die Öffentlichkeit

Es geht weiter mit dem endlosen Kampf um das Sorgerecht. Langsam versuche ich die Barrikaden zu erklimmen, um endlich an die normale rechtliche Lebensgrundlage zu gelangen. Wie ein Hobbysammler Briefmarken sammelt, so sammle ich weiter Argumente für das, was zum Leben nötig ist. Also weiter auflisten, gut formulieren und hoffen. Hoffen, denn es geht nicht anders.


Die Planung des Jugendamtes lautet:
„Neuster Stand: Das Jugendamt in B. vermittelte durch Herrn Baumgart Simon eine passende Jugendeinrichtung in C. Er bekommt pädagogische, therapeutische und ärztliche Versorgung, die seine Mutter selbst in dieser Form nicht leisten könnte.“


Dazu schreibe ich jetzt. Vieles schreibe ich, um mich behördlich einzuschleimen. Vieles, was ich schreibe ist auch meine vernünftige Planung.


Nicht alles werde ich wohl später wirklich so tun, wie ich es heute schriftlich sage:
Aus diesem Grund würde ich Simon, auch wenn ich das Sorgerecht bekomme, solange wie möglich in dieser Einrichtung lassen. Erst nach gründlicher Kontrolle und nach einem gut ausgearbeiteten Konzept würde ich Simon wieder zu mir nach Hause holen können.


Doch vieles ist klar und stimmt:
„Mir sind Gesundheit und gute Entwicklung meines Sohnes wichtig. Dabei schaue ich nicht danach, wer dies für meinen Sohn leistet, sondern die Hauptsache ist für mich, dass es geleistet wird.Inzwischen bin ich so weit, dass ich denke, dass er dorthin soll, wo es ihm gut geht. Hauptsache es geht ihm endlich gut. Doch da kann man sich winden und wenden, wie man will, ein Sorgerecht wird dafür gebraucht.“


Nur ein amtliches Sorgerecht sorgt für Menschenrechte und Freiheit. Also schreibe ich dem Gericht weitere Standpunkte, die beweisen sollen, was eigentlich schon lange bewiesen war und was vielleicht eine andere Mutter nie so oft beweisen musste wie ich:
„Monatelang arbeitete ich mit Freunden nach Simons Schulproblemen in der Realschule einen Plan aus, um Simon eine viermonatige Auszeit vom Schulunterricht zu geben, eine Klasse wiederholen zu lassen und ihn auf eine andere Schule zu schicken, die das in dieser Form leisten könnte. Simon konnte nicht mehr auf der Realschule bleiben. Es ging vieles daneben. Aber alles scheiterte an der Unterschrift seines Vaters, der aber kein anderes oder gar besseres Konzept für Simon ausgearbeitet oder überlegt hatte. Zeuge: Herr H. Tannen, Simons Therapeut vor Ort.“


Aber das sind die längst schon bekannten Geschichten, welche die Richterin vom Oberlandesgericht nun auch von mir bekommen sollte. Ich suche außerdem alle Ärzte auf, bei denen Simon irgendwann einmal in Behandlung gewesen ist. Ich lasse mir schriftliche Bescheinigungen und Bestätigungen geben. Manche Ärzte verlangen verdammt viel Geld für so eine schriftliche Auskunft.

Ich lasse mir auch eine Bestätigung von Herrn Tannen für die Jugendberatungen und Therapiestunden geben. Ich habe schon einen ganzen Packen für das Gericht als Nachweise für mein Verantwortungsbewusstsein bereit gelegt. Dr. Bück ist nicht besonders interessiert, mir eine Bescheinigungen zu geben. Trotz mehrmaliger Anrufe, meldet er sich nie zurück.

Egal. Schlecht für ihn. Ich schreibe mir die Bescheinigungen selbst. Außerdem schreibe ich auch inhaltlich über die Behandlungen. Dann schreibe darunter, dass der Arzt nicht zu erreichen war. Ein schlechtes Bild hinterlässt Dr. Bück und nicht ich.

Sogar der Psychiater der Einrichtung von C. schickt mir die erbetenen Nachweise, dass ich dort mit ihm Gespräche führte. Der Therapeut der Einrichtung in C musste auch die Nachweise geben, dass ich bei ihm Gesprächsstunden für Simon wahrgenommen hatte. Das macht er gerne. Obwohl sie dort doch anderes im Sinn haben. Fair sind sie in gewisser Weise, - vielleicht.

Doch Frau Piel gab keine Art von schriftlichen Gutachten einer guten Mitarbeit heraus. Das könne sie nicht machen, aus den Entwicklungsberichten ist aber Ähnliches zu ersehen. Also benutze ich diese Gutachten.

Zum Schluss verlange ich von Erik noch ein Gutachten, ein kostenfreies:
"Sehr geehrte Richterin Reich, Frau Ilka Hölzer bat mich um Stellungnahme bezüglich des Sorgerechts ihres Sohnes Simon. Ich bin Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapeut und mit Frau Ilka Hölzer nicht verwandt. Sie kennt mich aus der Zusammenarbeit eines Arbeitskreises.

Da Frau Ilka Hölzer im Zusammenhang mit der Diagnosestellung nach der Einweisung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie Unverständnis, Ängste und erhebliches Misstrauen gegenüber den Ärzten entwickelte und in ihrer Verzweiflung mich um Rat und immer mehr auch um Unterstützung bat, was ich anfangs mit sehr viel Zweifel ihrer Position gegenüber tat, kam ich sowohl mit ihrem Sohn Simon, den ich vorher nicht kannte, Herrn Baumgart vom Jugendamt und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. Sieknecht und Dr. Stampfstein aus dem hiesigen Landeskrankenhaus mehrfach zusammen. Mit dem Chefarzt und einer Oberärztin hatte ich ebenfalls Gespräche geführt.

Durch diese Kontakte verstand ich zunehmend mehr die Verzweiflung der Frau Hölzer, auch wenn ich ihre zum Teil hin und wieder einseitige Sichtweise nicht immer teile. Ich erlebe in Frau Hölzer eine überaus kämpferische und auch sensible Mutter, die ihrem Sohn sehr zugetan ist und sich für seine Belange rückhaltlos einsetzte. Dabei ist sie sowohl sehr emotional, aber auch sehr sachlich und immer beharrlich bei Vorgehen und bei Argumentationen. Sie war zur Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem Jugendamt bereit, ja forderte diese Zusammenarbeit ein, wobei sie sicherlich nicht immer einfach war, denn sie nahm Hinweise, Zusagen und angedeutete Möglichkeiten in Therapie und Unterbringung sehr genau wahr und brachte das immer wieder ins Gespräch. Leider konnte ich wiederholt erleben, dass von Seiten der Ärzte der Psychiatrie bewusst Fronten aufgebaut wurden, dass Dialoge teilweise verunmöglicht wurden und Frau Hölzer in ihrer Sorge weder ernst genommen, noch Möglichkeiten der Deeskalation genutzt wurden.

Das aus dieser Situation heraus gut nachzuvollziehende Misstrauen gegen die Ärzte, die Diagnose und die Therapie, beziehungsweise den Zielvorstellungen führten dazu, dass Frau Hölzer alle möglichen Personen, Stellen bis hin zur Presse in Bewegung zu setzen bereit war. Wenn man dann von einer kranken Frau redet, die sich in Psychotherapie begeben solle und mit der man ja eigentlich nicht zu verhandeln hätte, da der Behandlungsauftrag vom Jugendamt komme, und nur dem Sohn, Simon, gelte und nicht der Mutter (sinngemäße Wiedergabe einer Äußerung der Oberärztin mir gegenüber), dann ist das schlimm und Anstaltsmedizin, wie sie heute nicht mehr vorkommen sollte.

Es wäre nicht um Therapie oder Ruhigstellung einer hysterischen Mutter gegangen, sondern um Einbindung und auch um bewusste sachliche und, soweit das möglich ist, emotionslose Darstellung der Differenzen in Wahrung und Anerkennung der unterschiedlichen Standpunkte. Leider waren weder die Ärzte von Kinder- und Jugendpsychiatrie dazu bereit oder fähig, noch war der Vertreter vom Jugendamt kraftvoll und mutig genug, ein anderes Vorgehen der Ärzte anzumahnen. Es entstand dadurch eine für alle Teile schwer zu ertragende Situation.

Um auf Frage des Sorgerechts von Simon zu kommen: Frau Hölzer ist sehr verantwortungsbewusst gegenüber ihrem Sohn. Sie ist gesprächsbereit und fähig bei entsprechender Anerkennung ihres Standpunktes zu differenziertem Denken. Sie benötigt gelegentlich intensive Hilfe bei der Auseinandersetzung mit autoritären und rechtlichen Strukturen, die schwer zu durchschauen und zu akzeptieren sind. In diesem Sinne halte ich sie für fähig, das Sorgerecht in vollem Umfang für ihren Sohn auszuüben." Erik M


… Grafik des Briefes …


Erik schickt mir ganz kurzfristig das Gutachten zu. Es soll nicht so aussehen, als ob wir uns privat allzu gut kennten. Es soll personenneutral sein, so wird die allgemein voreingenommene Gesellschaft mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

Nun kann der Gerichtstermin kommen, und dennoch, ich fürchte mich, da ich gelernt habe, dass Menschenrechte und Behörden nicht zusammen passen.

Ich habe danach noch mehr in meinem Büro zu tun. Für Sicherheit, denn niemand weiß wirklich, wie reagiert würde, würde im Kinderheim entdeckt, dass Simon das Leponex reduziert. Wie würde er dann behandelt und wie werde ich behandelt werden? Was, wenn das kurz vor dem Gerichtstermin passiere? Die Bandbreite einer menschlichen Phantasie kann groß, breitflächig angelegt, mit vielen verschiedenen Möglichkeiten sein. Alle in einem kleinen Kopf. Es gibt noch mehr Möglichkeiten, sich abzusichern.

Eine Politikerin, eine Referentin im deutschen Bundestag schreibt mir:
„Liebe Ilka, Du hattest heute angerufen. Mein Kollege vom Petitionsausschuss meint, es wäre erst nach Abschluss des Sorgerechtsverfahren sinnvoll, eine Petition einzureichen, da sonst das Verfahren, eventuell auch eine Gerichtsverhandlung abgebrochen würde und alle Unterlagen zum Petitionsausschuss geschickt werden müssten. Besser wäre es, erst eine gerichtliche Entscheidung zum Sorgerecht abzuwarten und dann eine Petition zu senden, je nachdem, wie das Verfahren entschieden wird.“ A A

Sie klärt mich weiter auf. Also warte ich, bis die Gerichtsverhandlung kommt. Sie sagt mir telefonisch: „Ja, diese Institutionen haben sehr viel Macht. Das Subtile ist, sie sollen als soziale Einrichtungen gelten. Es darf nicht so gesehen werden, dass wirtschaftliche Interessen auch dort weit greifen.“

Warum betrügen sich die Menschen selbst? Anstatt Ethik zu schaffen? Wo sie hingehört? Jeder und jede soll und darf nicht infrage stellen, ob vielleicht soziale Einrichtungen nicht immer sozial agieren. Und wir wissen, Ethik fehlt, wenn Wirtschaftsunternehmen gewinnmaximierend arbeiten.

Am sechsundzwanzigsten Novembertag irgendwann entferne ich mich von der Eichenholzzeitmaschine. Ich weiß noch, was Erik zu seiner Stellungnahme erklärte. Er erklärte, dass er die Hilfesuche mit der Presse erwähnen wollte. Er wollte den Ämtern und Behörden sagen: „Halt! Passt auf, dass Ihr nicht mit der Presse konfrontiert werdet. Gebt ihnen die Chance. Lasst ihnen das Sorgerecht.“

Ich schrieb auch noch andere Politiker an, einige. Ich schaue auf alte Aktenordner, die ich längst nicht mehr sehen möchte. Ich packe sie weg. Ich schaue aus dem Fenster. Der erste Schnee fällt. Er bedeckt die schweigende Landschaft. Die Blätter sind restlos von den Bäumen gefallen. Der Himmel ist grau. Was macht Simon gerade? Ich weiß es nicht. Alles schweigt.

Ich gehe raus. Ich gehe über Bahnschienen durch eine verlassene Landschaft. Ich sehe die verlassene Baustelle dort, wo einmal die Speicherhäuser standen. Ein großes leer geräumtes Baugelände. Ich gehe zurück die Schienen entlang. Dieser Spaziergang gibt mir keine Abwechslung in meiner Einsamkeit. Alles ist still hier draußen und ich weiß im Stillen, Behörden haben keine Angst vor der Presse.

In der Erwartung, Hilfe von Politikern und öffentlichen Medien zu bekommen, werde ich einmal nach Berlin und zweimal nach Hamburg fahren. Ich werde mich an kirchliche Einrichtungen wenden und überall von neuen hoffen, es würde eine schnelle Hilfe kommen. Und wenn der Gerichtstermin beendet ist, werde ich eine Petition einreichen können? - Missgestimmt gehe ich langsam nach Hause. Die Eichenholzzeitmaschine ist noch an.

Sie zeigt noch einen Brief von einem Professor Dr. Dr. Klaus D aus Hamburg, der schon ein paar Mal im Fernsehen interviewet wurde. Er wird mir auf meine Hilferufe sehr schnell zurück schreiben:
"Sehr geehrte Frau Hölzer, leider war der Rat mich anzuschreiben, schlecht gewählt. Denn da ich sehr oft ähnliche Anschreiben bekomme, musste ich beschließen, alle abzulehnen, da ich sonst überhaupt nicht mehr zu meinen eigenen Anliegen käme. Meine Ablehnung ist also nicht gegen Sie gerichtet. Dies umso weniger, als mich die Lektüre Ihres Berichtes bewegt hat; ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken.

Meine Ablehnung hat aber auch noch einen sachlichen Grund: Da in Deutschland Kinderpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie streng getrennt wird, ich aber nur Erwachsenenpsychiater bin, würde eine Stellungnahme von mir von allen Behörden und Gerichten schon aus diesen formalen Gründen ignoriert. Vielleicht haben Sie Glück bei einer sehr kompetenten und engagierten Kinder- und Jugendpsychiaterin, Adresse unten. In der Hoffnung, Ihnen vielleicht doch noch ein wenig gedient zu haben, verbleibe ich mit besten Grüßen." K D


… Grafik Brief …


Was soll ich tun? Es gibt nichts als leeres Warten und Hoffen, dass Simon alles Wünschenswerte schafft im Kinderheim in C. So endet der sechsundzwanzigste Novembertag irgendwann.
(© Ilona Meschke 2008)


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… es knistert …

… oder brennt es schon? …


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