Der siebenundzwanzigste Novembertag irgendwann
Ein neues Labyrinth im Sorgerechtsverfahren zeigt sich. Erst wenn wir restlos verkrüppelt sind, geben sie uns wahrscheinlich frei, denn das beweist, wir sind krank und die im Recht.


Am siebenundzwanzigsten Novembertag irgendwann bleibt die Eichenholzzeitmaschine stehen. Sie zeigt aber immer noch den aktuellen Stand des Sorgerechtsverfahrens. Sie zeigt neusten Beschluss, der zeigt, wir werden weiter von Behörden unterdrückt. Entwicklungsberichter des Kinderheimes dürfen wir haben. Die Diagnoseunterlagen bekamen weder Vater noch Mutter zu Gesicht.


Das Sorgerecht für Simon ein zerbrochener Fels hinter Stacheldraht
Ein neues Labyrinth zum Sorgerecht
zeigt sich brockenweise

Die Beschwerde beim Oberlandesgericht ist eine Maßnahme, die erst klärt, ob beide Eltern das Sorgerecht vom Jugendamt wiederbekommen. Danach könne erst wieder entschieden werden, wer von beiden das Sorgerecht bekommt. Also kann es nur wieder ein gemeinsames Sorgerecht geben. Dies erfahre ich kurz vor dem Termin von meinem Anwalt. Warum sagte er nicht früher, was genau ein Beschwerdeverfahren ist?

Das OLG ist immer nur für Beschwerden zuständig, die auf einen alten Stand zurückgesetzt werden können. Zum Schluss bekommt das ganze Verfahren wieder der dubiose Familienrichter, den ich schon kenne. Ich stehe vor dem Gerichtsgebäude und werde fast verrückt. Welche Chance habe ich denn? Gibt es in Deutschland überhaupt noch Rechte?

Simon ist gerade in seinen Sommerferien bei mir. Nach fast einem halben Jahr Heimerfahrung will er nicht mehr zurück in das Heim und sein Vater nutzt jede mögliche Gelegenheit immens aus, mir eine Verliererposition zuzuschreiben, die sich in Simons Kopf langsam einschleicht.

Wir sitzen alle im Gerichtssaal, während die Richterin ernst und unzufrieden auf Unterlagen schaut. Sie bemängelt, vom vorangegangenen Gerichtsverfahren keine richtige Aufschlüsselung in der Hand zu haben. Was ist da überhaupt abgegangen und verhandelt worden? Jetzt stellt sie die Frage: „Was hat hier zehntausend Euro gekostet?“

Ich hätte darauf antworten können: „Sicher die billige Arbeit der Gerichtsgutachterin!“ Doch ich bleibe still und mein Rechtsanwalt riet, sie ruhig machen zu lassen. Ich vermute, sie hat jetzt die Unterlagen vom Jugendamt, Baumgart, in der Hand und fragt Gundalf, wer er ist und was ihm befugt hier beizusitzen. Dieser erklärt überrascht, er sei die neue Vertretung für Simon. Er sei vom Jugendamt gestellt worden. Doch die Richterin fragt weiter, sogar nach seinen Kompetenzen, worauf Gundalf nicht gleich zu antworten weiß. Sie fragt nach seinem Beruf und er sagt: „Sozialpädagoge, sozialpädagogischer Mitarbeiter beim Jugendamt in B.“ Danach beachtete ihn die Richterin nicht mehr. Sie scheint die Unterlagen weiter zu studieren. Doch dann fragt sie Gundalf noch, warum das Sorgerecht überhaupt beim Jugendamt läge und warum es der Kindesmutter nicht gegeben worden war. Gundalf sitzt wieder überrascht da, überrascht gefragt worden zu sein. Er scheint nur überrascht. Aber ich bin es auch.

Doch dann sagt Gundalf schnell: „Die Kindesmutter hat zu ihren Sohn mehr ein Bruder-Schwester-Verhältnis und kein Mutter-Sohn-Verhältnis.“ Das ist wahrscheinlich eine schwache Begründung für die Richterin. Sie schaut ihn lange fragend an. Sie schaut weiter in die Unterlagen. Dann begründet Gundalf, mit seiner im Heim abgegebenen Prokura, er und das Jugendamt möchten keine Veränderung der jetzigen Lage. Diesen Satz scheint er gut gelernt zu haben. Er könnte von Frau Piel sein.

Die Richterin möchte jetzt wissen, was Simon will. Simon, der raus geschickt wurde, wird hereingeholt und sagt aus, er möchte das Heim verlassen. Er sagt das klipp und klar zweimal. Und seine Aussage wird nicht schriftlich niedergeschrieben. Er möchte zu seiner Mutter, aber es wäre ihm inzwischen auch recht, zum Vater zu gehen. Hauptsache er könne das Heim verlassen.

Nun nimmt sich Simons Vater, der keinen Anwalt dabei hat und alles nicht so wie ich organisiert hatte, nicht einmal selbst eine Beschwerde eingelegte, das Wort und meint, Simon sei am besten bei ihm aufgehoben.

Die Richterin schickt Simon wieder vor die Tür und wir anderen warten auf ihr Urteil. Zum ersten Mal erfuhr ich, Simon soll eine juvenile Psychose haben und den Vorwurf an die Eltern kenne ich schon, sie würden die Medikamenteneinnahme nicht verstehen, keiner spricht mehr davon, dass sie weder die Diagnoseunterlagen lesen durften, noch dass sich irgendjemand die Mühe gemacht hatte, zu erklären, warum Simon so etwas haben solle. So wie mit uns umgegangen wurde, hätte jeder eine Psychose bekommen können.

Aber Ähnliches steht ja in den Unterlagen vom Jugendamt, sagte eine mir bekannte Frau Freundin heimlich, eine Leiterin eines Kinderheimes in B. Der Verfahrenspfleger gesteht jetzt, dass er in letzter Zeit keinen Kontakt zu Simon hatte. Er verriet nicht, dass er Simon gar nie einen Kontakt zu Simon hatte. Und auch nicht, dass ich ihm um Kontakt bat und Hilfe bat und abgewiesen wurde.

Jetzt hält er es für wichtig, dass der Kindesmutter das Sorgerecht auf jedem Falle entzogen wird. Simon hatte ihn niemals gesehen. Mir hatte er jeden Kontakt verweigert. Jetzt ist er der Auffassung, es sei richtig, mir das Sorgerecht vollständig zu entziehen? Er isst die Törtchen mit, die man Simon und mir aus der Magenkuhle schneidet. Irgendwann könnte er vielleicht einmal meinen, er wäre niemals schuld gewesen, er hätte nur von anderen falsche Auskünfte bekommen, auf die er sich verlassen musste. Boshaft!

Mein Anwalt hält es immer noch für besser, inhaltlich auf nichts einzugehen. Der Rechtsanwalt möchte das gleiche wie der Herr vom Jugendamt, was Simons Lebenssituation betrifft. Es solle nichts verändert werden. Doch, das Sorgerecht soll zurückgehen. Die Richterin kann mehr als nur das gemeinsame Sorgerecht zurückgeben.

Sie äußert sie mündlich eventuell und endlich? Ich vermag es kaum noch zu hören oder zu glauben. Alle Wörter umkreisen meinen Kopf. Ich verstehe nicht mehr gut und böse. Sie will mir alleine das gesamte Gesundheits- und Aufenthaltsbestimmungsrecht zusprechen für die Zeit bis geklärt ist, wer das Sorgerecht bekommt. „Ja bitte“, denke ich „bitte, bitte!“

Ich solle aber damit einverstanden sein, Simon erst aus dem Heim zu nehmen, wenn Ärzte Simon für gesund erklären oder dafür sprechen, dass er nach Hause kann. Mein Anwalt riet mir JA zu sagen.


Ich soll der Richterin jetzt nachsprechen
und mache es auch

Ich spreche nach, was die Richterin für mich vorspricht:
„Ich verspreche hiermit verbindlich und erkläre verbindlich, dass ich Simon nicht entgegen dem Rat der Ärzte aus seiner jetzigen Betreuungseinrichtung herausnehmen werde, selbst wenn ich der Ansicht bin, dass es Simon dort schlecht geht. Erst, wenn die Ärzte Simon für gesund erklären, soll er die Einrichtung verlassen.“


Die Verhandlung ist beendet. Vermutlich wird es einen Beschluss geben, der enthält:
„Das gemeinsame Sorgerecht gehe zurück an die Eltern, wobei die Mutter das gesamte alleinige Aufenthalts- und Gesundheitsfürsorgerecht bekommt, und zwar vorläufig bis zur Hauptverhandlung.“


Und schriftlich gibt es das noch nicht. Das kann lange dauern, sagt der Anwalt. Dann soll wieder beim Familiengericht der Richter Tramper über diesen vorläufigen Beschluss, leider mit dieser Klausel versehen, bestimmen, wie es weiter geht. Die Richterin hatte doch auch das Vorgehen des Richters Tramper kritisiert? Warum bekommen wir keinen anderen Richter? Mein Rechtsanwalt ist zufrieden und sieht uns als Gewinner hervorgehen. Ich bin eher verwirrt und ängstlich als glücklich, aber könnte es als Gewinn verzeichnen, vor allem vor Simon. Ich schäme mich vor Simon für diesen Spruch, den ich nachsagen musste.

In der Straßenbahn zurück nach Hause erkläre ich Simon genau, was sich zugetragen hat und das es ein Gewinn sei, aber der schriftliche Beschluss noch kommen müsse und wir alles wie bisher halten müssen. Nur allmählich können wir es bald hinbekommen, dass er das Heim verlässt. Ich bereite alles andere vorsichtig vor. Simon ist nur teilweise zufrieden, obwohl ich mühsam einen großen Fortschritt dessen erklärte. Dann erkläre ich Simon wie und was er machen könne, damit er im Heim Spaß hat, engagiert solle er sein und diskutieren solle er vernünftig. Er könne viel selbst gestalten, damit er alles gut aushalten kann.

Die Betreuerinnen findet er nett, nur manchmal unfair. Das soll er ändern. Das alles zeigte die inzwischen stehen gebliebene Eichenholzzeitmaschine noch und ich erinnere mich wieder, wie sehr diese angespannte Situation zusammen mit der leeren Versprechung einer Medikamentenreduzierung von Seiten des Heimes, Simon auch die Lage im Heim unerträglich machen.

Ich weiß nicht, ob und wann wir verraten dürfen, dass Simon selbst schon lange reduziert hat. Und der behandelnde Arzt zog mich bisher nicht in die Behandlung mit ein. Genauso wenig wie unserem Homöopathen, der auch einmal klassische Medizin studierte und ebenfalls klassischer Psychiater ist. Sie ignorieren ihn. Sie haben ihm die Diagnoseunterlagen nicht gegeben. Er gehört dem Heim und nicht uns.


Mit dem neuen vorläufigen gemeinsamen Sorgerecht, welches schriftlich noch nicht gekommen ist, muss ich irgendetwas gewonnen haben, aber was? Schneller denn je soll ich zu neuen Plangesprächen ins Heim.

Wir können gleich weitermachen. Die Eichenholzzeitmaschine zeigt mir wieder mehr. Gleich nach Beendigung der Gerichtsverhandlung kommen wir zu Hause an. Simon bleibt draußen bei seinen Freunden, während ich unsere kleine Wohnung betrete. Das Telefon klingelt stürmisch. Nur langsam bewege ich mich darauf zu. Als ich den Hörer in der Hand halte, staune ich nicht schlecht. Denn so schnell reagierte Gundalf noch nie. Gleich nach dem Termin hat er sich mit der Einrichtung kurzgeschlossen. Sie haben schon am nächsten Tag ein Plangespräch vereinbart. Äußerlich locker nehme ich das zur Kenntnis und sage zu. Irgendein Geheimnis, dessen Inhalt ich nicht kenne lässt sich in meiner Magengegend grummelig anfühlen.

Heimlich spüre ich, wie schnell ich solch ein Gesundheitsfürsorgerecht verlieren könne, wenn die das wollen. Deren Kontrolle schränken meine Rechte ein. Also sehe ich davon ab, mir erst einmal selbst einen Psychiater für Simon zu holen, und versuche ihnen etwas vor zu schleimen, mich unterzuordnen. Die Medikamente reduziert Simon immer noch alleine. Jetzt ist er bei mir. Zum Glück!

Einen Tag später fahre ich zum nächsten Plangespräch nach C und zu den nervös gewordenen Menschen, die bisher auf besseren Stühlen saßen und diesmal bei Gericht ein wenig Trockenbrot bekamen. Was wollen die eigentlich von mir? Was wollen die von Simon? Und während des Entwicklungsgespräches wird, ich staune, über eine Medikamentenreduzierung gesprochen. Arbeiten die jetzt mit mir zusammen?


Macht durch Medikamente – das macht Sinn

Mehr über die geplante
Medikamentenreduzierung
seitens des Heimes

Ich erfahre. Frau Piel hat sich bereits mit ihrem Psychiatern in H abgesprochen. Simon soll jetzt künftig alle zwei Monate fünfundzwanzig Milligramm weniger Leponex bekommen. Ich bin verwirrt und rechne, während Frau Piel herrschaftsbedacht und cool weiter redet, rechne ich noch und unterbreche sie: „Der Zeitraum mit Medikamenten wäre dann länger, als die Klinik in K einst dachte. Was haben sie davon?“ Stille. Ich blicke in entschlossene Gesichter, die mir keine Antwort geben.

Warum lassen die uns nicht einfach ohne sie weiterleben? – Endlich mal weiterleben! Ich spreche weiter: „Am achtzehnten Februar versprachen Sie, die Medikamente sobald wie möglich herunterzusetzen. Seit heute ist nichts passiert. Es wurde kein Versuch gestartet, dieses Zeug langsam herunterzusetzen. Sie waren beunruhigt wegen Simons Aggressionen, die er zeigte. Bis heute kamen diese Wutanfälle nicht mehr vor. Am siebzehnten April wollten Sie ebenfalls langsam damit beginnen, aber möglichst bald. Zweimal fuhr ich nach H in die Praxis von Dr. Walle Dieser machte keine Zugeständnisse und gab keinen Plan bekannt. Ich war einfach nicht seine Gesprächspartnerin. Er berief sich lediglich auf Simons Aggressionen, nachdem Simon vier Monate anderes bewiesen hatte. Zumindest die gefährlichen Aggressionen blieben aus. Die Aggressionen, die Jungen gerade in der Pubertät oft haben, sind in Heimen oft eine Nummer härter zu finden, aber nicht mehr bei Simon. Er selbst wird inzwischen mit härteren Aggressionen anderer Heimkinder konfrontiert und scheint damit besser klar zu kommen als anfangs. Diese Kinder nehmen deswegen kein Leponex. Soll Simon Medikamente bekommen, damit er insgesamt zwei Jahre im Heim verweilen muss?“

Es liegt doch sehr nahe nach dem mündlichen eventuellen Gerichtsbeschluss, so etwas zu glauben und alle wissen, dass Simon nach Hause will. Wo ist eigentlich Baumgart geblieben, der ganz zum Schluss vor der schrecklichsten Gerichtsverhandlung, die ich kennen gelernt hatte, intern heimlich meinte, er glaube inzwischen auch, dass Simon am besten und sichersten bei mir aufgehoben sei. Er hat den Fall abgegeben.

Ich rechne immer noch: „In achtzehn Monaten ist er offiziell medikamentenfrei. Sechs Monate ist er schon im Heim und wir hoffen auf die Reduzierung. Alles noch länger, als sogar die Klinik damals bestimmte.“

Frau Piel sagt nichts. Gundalf sagt nichts. Schwarz sagt nichts. Kein Wunder, dass Simon den nicht mochte. Die drei haben mich ganz schön auf den Pott gesetzt. Ich bin entsetzt, aber zeige es nicht mehr. Schweinerei, die sollen Vertrauenspersonen sein? Sie stellen sich ganz anders dar. Jetzt koche ich doch vor Wut, aber rede gezügelt und die drei warten regelrecht auf meine Reaktionen und sind ganz still. „Und Sie glauben jetzt, ich empöre mich darüber, damit Sie einen Grund haben, gegen den gerichtlichen Beschluss anzugehen?“ frage ich mal eben ganz unverblümt. „Ich achte Ihre pädagogische Arbeit, die sie leisten. Ich werde weiterhin mit Ihnen mitarbeiten zum Wohle Simons. Doch Simons Vertrauen machen Sie sich wohl selbst damit immer mehr kaputt.“ Mehr habe ich denen nicht zu sagen.

Am nächsten Tag fahre ich noch einmal nach C, denn alle vierzehn Tage habe ich ein Gespräch mit Schwarz, dem psychologischen Weltenbummler. Diese Gespräche habe ich wieder aufgenommen, nur um mich einzuschleimen, und ständig nach Möglichkeiten für Simon zu schauen.

Diesmal wird es kein gutes Gespräch geben. Simon lehnt Schwarz eh ab, und weigert sich, Gespräche mit ihm zu führen. Henry hat Simon erzählt, was in einem älteren Entwicklungsbericht von April steht. Dieser Entwicklungsbericht wurde gegen den ausgesprochenen Wunsch der Einrichtung ungeschickt von Gundalf vor Beginn des Gerichtstermins verteilt. Vorher bekam nur ich die Entwicklungsberichte und Henry nicht. Jetzt nimmt Henry den Inhalt dieses alten Berichtes, um Simon gegen die Einrichtung aufzumöbeln. Vor allen Dingen steht ein Satz von Schwarz darin, der sehr negativ ausgelegt werden kann, wenn es gewollt ist. Und das wurde von Henrys Seite getan.

An sich ist der Entwicklungsbericht sehr zurückhaltend formuliert. Man liest darin, was von selbst gewollt ist. Es ist zu merken, dass weder Piel noch Schwarz daran interessiert waren, die Diagnoseunterlagen vom Landeskrankenhaus inhaltlich zu übernehmen. Allerdings sind sie ebenfalls nicht in der Lage, die von Dr. Stampfstein behauptete psychische Krankheit abzusprechen. Denn daran sind sie genauso wenig interessiert. Aber welches Interesse haben sie? Sie sind eher zurückhaltend gewesen in ihren Äußerungen zu dieser angeblichen Psychose. Doch wäre der Entwicklungsbericht nicht Henrys Grund gewesen, um die Einrichtung herunterzumachen, so wären es andere Dinge bei Henry gewesen. Natürlich alles zu Lasten Simons, der die Einrichtung nicht verlassen kann.


Ich schreibe daraufhin einen Brief an den geliebten Sohn:
„Lieber Simon, sei gegrüßt, ich bin sehr froh, denn beim letzten Gespräch und auch sehr oft am Telefon habe ich gehört, dass Du Dich super machst. Die Betreuer berichten sehr gerne über Dich, ich höre, dass ihnen ihre Arbeit mit Dir Spaß macht. Sie freuen sich, dass Du immer mehr und immer besser mitmachen kannst. Sie freuen sich auch, weil Du immer wacher wirst. Sie erzählen, wie verschlafen Du anfangs warst. Du kannst stolz auf Dich sein, und ich freue mich, weil bisher alles so gut verläuft.

Im alten Entwicklungsbericht steht schon sehr viel Gutes, vielleicht auch Negatives. Doch das Negativ ist das, was das Arschloch Dr. Stampfstein aus K in die Diagnoseunterlagen geschrieben hat. Es sind manchmal Darstellungen enthalten auch im Gespräch, die die Diagnose aus K unterstützen. Aber immer mehr ist Dr. Stampfsteins Diagnose am Ertrinken. Eigentlich sind es nur noch seine letzten Atemzüge vor dem Ertrinken. Und ich wünsche, dass er bald ertrinkt. Dann werden alle Entwicklungsberichte gut aussehen.

Manchmal bin ich über verschiedene Gründe auch noch recht wütend. Aber dann höre ich genau zu, gehe spazieren und überlege mir, warum ich wütend bin und was ich jetzt zu tun habe. Beispielsweise wollte ich nicht mehr zu Herrn Schwarz. Jetzt weiß ich genau, dass ich wieder hingehe. Bis dahin habe ich aber den neuen Entwicklungsbericht genau gelesen und ich werde ihm dann erklären, warum etwas so ist und nicht anders. Dies tat ich schon oft, nicht nur mit Herrn Schwarz. Und danach wurde ich immer gefragt und konnte meine Meinung darüber sagen.

Ah, jetzt kommt das Thema Meinung: Nie stimmen Meinungen überein. Auch nicht bei nur zwei Personen. Wenn das so sein sollte, wird eine unterdrückt. Man kann sich nur einigen, wenn Meinungen ganz ähnlich sind, oder man geht seinen eigenen Weg alleine. Man kann sich gut verstehen, aber dazu gehört, dass man andere Meinungen, die nicht die eigenen sind, akzeptieren oder tolerieren kann.
Herzlich Grüße.“ Deine Mam

Vergiss niemals:
das homöopathische Mittel zu nehmen.
Vergiss niemals:
wenn irgendetwas ist, was mit Deinem Wohlbefinden zu tun hat, mich anzurufen.
Vergiss niemals:
wenn irgendetwas ist, was mit Deinem Wohlbefinden zu tun hat, zu Herrn Dr. F. zu gehen, dem Homöopathen. Der Schulweg führt ja bei ihm vorbei.

Den Medikamentenbeschluss halte ich für verantwortungslos und sage das Herrn Schwarz, aber das weiß er schon lange. Schwarz ist ein schwacher Mensch. Von ihm gehen -Impulse aus, die das heutige Gespräch sehr stören. Ich beanstande vor ihm die nie stattgefundenen, aber geplanten Aktivitäten für Simon sowie die angedachten therapeutischen Spiele, die erst volle Anerkennung bei ihm bekamen, aber später nie stattfanden.

Und dann war da noch etwas: Simon hat keinen Mann als Betreuer mehr. Der einzige und letzte ging vor den Sommerferien. In der Einrichtung sind nur Jungen mit nur weiblichen Betreuern. Doch vor allen Dingen braucht Simon einen Mann als Orientierung. Nur so nebenbei. Danach besuchen Simon und ich unseren Homöopath. Nach diesem Besuch werde ich unangekündigt auch ein Gespräch mit Frau Piel bekommen.

Das Gespräch mit Frau Piel anschließend verläuft sehr viel lockerer als mit Schwarz und irgendwie braucht Frau Piel auch Hilfe von mir wegen Simons Vater. Kurz gesagt, Frau Piel ist nicht mehr so cool, sie braucht auch meine Hilfe gegen Simons Vater. Sie sagt, die Besuche bei ihm seien nicht gut verlaufen. Anschließend sei Simon total gegen alles und jeden. Das Heimpersonal braucht lange, bis Simon wieder der normale lebhafte Junge bei ihnen sei. Aber genau das kenne ich doch. Ich fange an, über die Sprechstunde bei dem Homöopathen zu sprechen.


Gespräche mit Frau Piel im Heim
Der Homöopath riet Perenzipin
herunter zusetzten

Simon nimmt inoffiziell nur noch eine ganz geringe Menge von Leponex. Er kann sich gut anpassen, flippt aber nach einem Vaterbesuch völlig aus. Ich plane, bei meinem nächsten Besuch ein paar Dinge anzusprechen, damit Simon es wieder leichter hat, die Dinge anders zu verstehen. Das verspreche ich Frau Piel. Dann wird das Thema gewechselt. Der homöopathische Arzt hat herausgefunden, dass Simons momentane Sehstörungen hat und von dem Medikament Perenzipin verursacht werden könnten. Er schlägt vor, dieses Mittel, das er anfangs ganz freiwillig eingenommen hatte, weil durch das Leponex sein Speichelfluss zu stark geworden war, eine Weile weg zu lassen, um zu sehen, ob Simon dies überhaupt noch braucht. Frau Piel meint, das sei kein Problem, es ohne zu versuchen. Sie werde sich darum kümmern. Zumindest diese Abnahme darf offiziell erfolgen, nachdem sie mich brauchen und keiner merkt, dass das Medikament wahrscheinlich deswegen unnötig ist, weil Simon das Leponex so gut wie abgesetzt hat.

Noch am selben Tag wird ebenfalls ein wichtiges Thema angesprochen. Frau Piel interessiert sich beiläufig, wie denn die Gerichtsverhandlung gelaufen sei. Angeblich weiß sie das also noch nicht, trotz des schnellen Plangespräches. Ich antworte ihr, ich würde wohl voraussichtlich das vorläufige Gesundheits- und Aufenthaltsbestimmungsrecht bekommen, ansonsten gebe es wieder ein gemeinsames Sorgerecht. Ich erzähle ihr auch von der Klausel im Urteil, die mich einschränken soll, wenn es um die Medikamente geht. Denn sie weiß es ja eh und wenn sie mich so einschätzt, als würde ich ihr alles erzählen, umso besser. Aber tut sie das wirklich?

Sehr wichtig finde ich es, dem Heim zu erzählen, was Simon so bei mir zu Hause macht. Mit Frau Piel wechsele ich am Telefon Worte: „Ansonsten ist Simons Stimmung und seine Einstellung zur Einrichtung sehr wechselhaft. Mir hat er heute erzählt, er werde wohl besser in C bleiben bis seine Schule gut abgeschlossen sei. Mich hat das gefreut. Nicht dass ich Simon nicht gerne bei mir hätte. Doch wenn die Stricke anders gelegt sind, muss auch gesehen werden, was für Simon jetzt am besten ist. Wir müssen überhaupt die Situation mit seinen Freunden zu Hause besser in Griff bekommen.“ Aber dann frage ich noch nach einer Bahncard für Simon. Er wird dann öfter nach Hause können. Alles wird viel günstiger werden. Frau Piel ist durchaus einverstanden und beantragt eine Bahncard beim Jugendamt. Ich frage Frau Piel wieder: „Warum arbeiten Sie nicht mit unserem Homöopathen zusammen? Er redet die ganze Zeit davon, bei Simon langsam Leponex herunter zu setzen?“

„Was?“ meint Frau Piel, „wie sollen denn Ärzte das bestimmen, die Simon nur einmal im Monat sehen? Das können doch nur wir sehen und entscheiden!“ Ah, das sagt sie mir also jetzt? Ich mache eine Pause. „Ich weiß“, sage ich nach der kurzen Pause mit erfrischendem Gefühl im Innersten. „Wir können es ja dann den Ärzten sagen, wenn es so weit ist.“


Über ein Monat vergeht
bis der gerichtliche Beschluss
des Sorgerechtes bei mir eingeht

Der Beschluss lautet:
"Auf die Beschwerde der Kindesmutter werden die Beschlüsse des Amtsgerichts abgeändert. Der Kindesmutter wird im Wege der einstweiligen Anordnung bis zur Entscheidung in der Hauptsache die elterliche Sorge für Simon übertragen."

Das konnte sie also doch, die Richterin des Oberlandesgerichts. Doch sie beachtete meine gesamten Beweise nicht, die begründen, dass ich diejenige bin und nur ich, die sich stets angemessen um Simons Gesundheit gekümmert hatte. Die ganzen Gutachten von Ärzten muss ich wohl noch aufheben. Die verantwortungsvollen Auseinandersetzungen und Nachfragen, was da in K gemacht wird, spielen keine Rolle. Jedenfalls nicht in dem schriftlichen Beschluss.


Sie schreibt weiter:
"... Allerdings ist die Gefahr nicht zu verkennen, dass die Kindesmutter gerade auf Grund ihrer Zuneigung und Fürsorge für Simon notwendige Behandlungsmaßnahmen abbricht, wenn sie den Eindruck hat, diese schadeten Simon, und besonders wenn Simon sie zu entsprechenden Entscheidungen drängt. Diese Gefahr ist jedoch dadurch gemildert, dass die Kindesmutter zur Zusammenarbeit mit dem Kinderheim und dem Jugendamt bereit ist, diese bisher auch durchgeführt hat und in der Verhandlung vor dem Senat ausdrücklich zu Protokoll erklärt hat, dass sie Simon in keinem Fall entgegen dem Rat der Ärzte aus der jetzigen Betreuungseinrichtung herausnehmen wird. Soweit dennoch ein Restrisiko bestehen bleibt, reicht dies nicht aus, um den Entzug des Personensorgerechts zu rechtfertigen, zumal Simon weiter vom Jugendamt betreut wird, das dadurch in die Lage versetzt ist, ggf. einzugreifen. ..."


Besser als erwartet? Habe ich jetzt ein Sorgerecht oder nicht? Was ist das für ein Sorgerecht? Simon erzähle ich am Telefon: „Sage es keinem, dass ich es Dir verraten habe, ich habe jetzt das Sorgerecht für Dich bekommen. Es steht aber darin, ich dürfe Dich noch nicht aus dem Heim nehmen, wenn Ärzte nicht dafür sprechen. Wir haben im Moment nur unseren homöopathischen Arzt. Mit den anderen Ärzten vom Heim musst Du Dich gut stellen. Ich habe durch eine Petition beim Land Niedersachsen eine große Beschwerde über alles eingelegt.

Die untersuchen das alles und wir warten ab. Aber in der Zwischenzeit musst Du sehen, dass Du in der Schule weiter gut bist und im Heim ein gutes Leben hast. Ich hole Dich am Wochenende, Liebling, tschüß.“

Simon hört interessiert zu und will seinen Heimaufenthalt schön gestalten, denn das alles kann noch dauern. Ich gehe zum Jugendamt immer noch wegen der Bahncard. Allerdings hat Gundalf schon die Nachricht von einer Petition bekommen. Ich erkläre, die Sache mit dem richtigen, endgültigen, sicheren Sorgerecht würde alles viel zu lange dauern: „Geben Sie uns Sicherheit, dann brauche ich keine Petition einreichen.“ Gundalf meint plötzlich dazu, ich solle abwarten. Das werde schon bald passieren. Und Gundalf verspricht, eine Bahncard für Simon zu organisieren.


Überall suche ich weiter Rückhalt
Die Petition der ganz,
ganz vielen Beschwerden

Eine achtseitige Aufstellung der gesamten Geschehnisse bekam der Petitionsausschuss. Sie beginnen mit dem ersten Zusammentreffen des Jugendamts in B bis zu der Psychiatrie mit Beweisunterlagen, die ich schicken kann. Sie endet mit dem Heim und dem Kampf um das Sorgerecht. Vor allem aber, dass immer noch niemand der außen stehenden Menschen begreifen kann, dass Simon mit Medikamenten misshandelt wird, denn solange nicht bewiesen ist, dass er sie braucht, wird er damit misshandelt.

Und ich schreibe vertraulich, das bereits wochenlang bewiesen ist, auch vom Jugendamt und Heim, dass Simons Entwicklung gut verläuft mit weitaus weniger Medikamenten, nur das wissen die nicht. Ich zähle auf, welche Stellen alle wissen, das Simon sich gut mit fast heruntergesetzten Medikamenten entwickelt.

Ich sage denen, dass wir sehr viel Angst haben, dass die Medikamentenreduzierung auffliegen könne, und wir weiter gequält werden. Mir wird dann auch geraten nach H zu fahren, um den Behindertenbeauftragen mit meiner Angelegenheit zu involvieren. Nicht, weil Simon für behindert gehalten wird, nur einfach, weil er die Probleme kennt und nachvollziehen könne, mit welchen Restriktionen wir auch zu tun haben.

Ich lasse mir einen Termin geben und fahre hin. Wir hatten ein langes ausführliches Gespräch. Es sind ihm tatsächlich Vorgehensweisen bekannt, indem schon viele Menschen zu Opfern innerhalb Behörden und Krankenhäusern geworden sind. Wir gehen anschließend durch die Räume und der Mann stellt mir meinen Sachbearbeiter vor, der die Petition bekommen hat. Wir sprechen miteinander.

Immer wieder wird diese Petition mit den neusten Ereignissen und neustem Stand aufgefrischt. Simons Medikamentenreduzierung mit den Aussagen von Leitung, Betreuerinnen und die schriftlichen Entwicklungsberichte im Kinderheim stelle ich der Reduzierung gegenüber. Den Sachbearbeiter habe ich einige Male gesprochen. Ich muss einfach glauben, dass irgendwer irgendwann wirklich einmal echte Unterstützung und Hilfe gibt. Momentan schweigt alles.

Die Petition soll auch eventuell gegen diesen altbekannten Richter Tramper helfen, endlich einen vernünftigen Weg zu finden. Denn der hatte ja wieder einmal eine Unverschämtheit losgelassen. Er schrieb, er wolle die Kindesmutter zwei Jahre kontrollieren, bis dann die Frage im Raum gestellt werden soll, welches der Elternteile das Sorgerecht für Simon bekommt. Ist der Kerl total durchgeknallt? Es gibt jetzt eine Change für einen Elternteil und relativiert alles immer noch?

Ein Schreiben von diesem Richter wird noch kommen. Und wenn dann diese beiden nebeneinandergelegt werden, könnte wirklich gefragt werden, hat dieser Richter Probleme mit Frauen oder will er immer noch die Psychiatrie und Dr. Stampfstein unterstützen?

Vielleicht will er sich selbst schützen, er muss auch vertuschen, wo er Fehler gemacht oder bösartig gehandelt hat. Von der Vergangenheit ganz abgesehen, er scheint wirklich Kindesmutter und Kindesvater unterschiedlich zu behandeln. Das erkennt man schon alleine daran, wenn er wann sich die Frage stellt, welchem Elternteil die Sorge endgültig zu übertragen werden solle. Es hätte schon lange klar sein müssen, in diesem Falle bekommt die Mutter das Sorgerecht. Wenn er sich fragt, ob jetzt der Vater das Sorgerecht übernehmen könne, muss er Stolpersteine gehen, um solche Frage noch zu fragen.


Eigentlich habe ich mich doch jetzt überall abgesichert
Doch immer noch habe ich Angst um Simon

Ich suche Auseinandersetzungen,
um dem Petitionsausschuss
Informationen zu geben,
damit sie anfangen zu arbeiten

Herr Gundalf lässt mir den neuen Entwicklungsbericht zukommen, den Simons Vater nicht bekommt. Entgegen den ständigen mündlichen Gesprächen beinhaltet dieser doch Punkte, die die einseitig bestimmte langatmige Medikamentenreduzierung vielleicht rechtfertigen soll, aber gerade deshalb erstaunt der Inhalt. Sie wollen geschickt ihre Macht behalten. Frau Piel meint aber, man müsse darüber reden und sich auseinandersetzen, wenn unterschiedliche Standpunkte, Meinungen oder Verständnisse auftauchen. Dies mache ich stets und auch jetzt. Doch wird klar, Frau Piel will sicherlich nicht mehr, dass ich den schriftlichen Bericht bekomme und das ist Gundalf noch nicht klar geworden.

Doch jetzt können sie sich zu ihrem Inhalt äußern und vielleicht gibt es einen Weg, der sie nachdenken lässt. Andererseits haben sich neue Situationen seit der Zeit des alten Berichtes ergeben. Beim alten Bericht wollten sie die Medikamente ebenfalls so schnell wie möglich langsam anfangen herunterzusetzen. Beim neuesten Bericht, wollte mich Frau Piel ausschalten, weil ich jetzt die Gesundheitsfürsorge habe, was haben sie davon? Sie werden nervös, doch es geht um uns. Auf jeden Fall steht für Simon eine gute Weiterentwicklung darin. Sie wissen nur nicht, fast ohne Medikamente fand diese gute Weiterentwicklung statt. Alle anderen Stellen, die Rückendeckung geben sollen und einer Schweigepflicht unterliegen, sind involviert.


Die Leitung im Heim wird auf mein Schreiben nicht antworten:
„Sehr geehrte Frau Piel. Sehr geehrter Herr Schwarz. Eine kurze Stellungnahme zum Entwicklungsbericht und zu den letzten Gesprächen möchte ich mit den nachstehenden Zeilen vornehmen.

Befremdend kommen mir die bestimmenden Worte im zweiten Absatz vor: „Die Verdachtsdiagnose Juvenile Psychose bestätigte sich dort. Simon zeigte vor allem überschießende und eigengefährdende Handlungsweisen.“ Und ich frage mich, warum diese Aussage in den Entwicklungsbericht geschrieben wurde, gehört dies dort hinein? Das hätte doch in einen älteren Bericht gehört?

Man hatte mir im Heim Verständnis für die schlechte Transparenz der Psychiatrie zugestanden. Man hatte in Simons Gegenwart versprochen, die Medikamente recht bald langsam unter Kontrolle ausschleichen zu lassen, denn man hatte zwar bisher pubertäre, vielleicht auch psychotische  Eigenschaften beobachtet, konnte aber eine Psychose nicht entdecken. Mehr als sechs Monate hat Simon bewiesen, er braucht keine Aggressionen ausspielen zu lassen, die sonst andere Jungen haben dürfen, ohne danach unter Medikamente zu stehen.

Es passierte also nichts mehr und man konnte langsam mit dem Ausschleichen beginnen. Doch vielleicht war es etwas ungünstig, dass das Jugendamt durch Herrn Gundalf von einer absoluten Prokura sprach, die er Ihnen geben wolle, um sich selbst von diesem Fall zu entlasten. In wie weit das Übertragen einer Prokura in der Form überhaupt möglich ist und ob das Jugendamt dies gesetzlich darf, weiß ich nicht. Ich merkte nur, danach gab man mir hinsichtlich der Medikation nicht mehr so viel Verständnis. Man berief sich schon einen Tag später auf diese Prokura. Abgespeist wurden wir mit einer kleinen Tablette vor gut einem halben Jahr, obwohl man sah, Simon ging es damit besser, wurde nicht weiter reduziert. Kein Wunder, dass Simon am Mittwoch noch auf dem Bahnhof antwortete, ja, noch gehe es ihm gut, aber irgendwann werden die mich in C so mit Medikamenten voll stecken, dass ich nur noch am Schlafen bin, dann haben die keine Arbeit mehr mit mir.

Er sagte vor Gericht, er möchte bei seiner Mutter wohnen oder zu irgendeinem Elternteil, zu welchem, sei egal, Hauptsache, er müsse nicht in der Einrichtung bleiben, die sei schlecht.

Beim letzten Entwicklungsgespräch habe ich Simons Misstrauen ansprechen wollen. Zum Glück war Simon nicht dabei, als plötzlich ein ganz neues Vorhaben auf den Tisch gelegt wurde. Eine Grundsatzverschiebung, der sogenannte Paradigma meint inzwischen nicht nur, zwei Jahre soll Simon weiter Leponex nehmen, egal ob man herausgefunden hat, ob es bei Simon überhaupt nötig ist. Er meint auch, angesetzt würden die Jahre ab dem ersten Tag in der Einrichtung. So wurde Simon nicht einmal im Landeskrankenhaus bestraft, die haben Medikamenteneinnahme vom ersten Tag der Medikamenteneinnahme berechnet. Und ich glaube auch ein wenig erkannt zu haben, dass ich eventuell provoziert werden soll, denn sollte ich mit meinem Gesundheitsfürsorgerecht und der bestehenden Klausel, etwas Gegenteiliges unternehmen, hätten sie einen Vorwand gefunden, gegen den gerichtlichen Beschluss anzugehen.

Von der Betrachtungsweise aus, sich einmal den Beipackzettel der Medikamente durchzulesen, denke ich auch, Sie müssten sich diesen Satz immer wieder einprägen und überall hinschreiben, damit Sie tüchtig daran glauben, dass es Ihnen in erster Linie um Simons Gesundheit geht.“ Ilka Hölzer


Obwohl der Ausschuss im Landtag und im Bundestag bereits eine zehnseitige Auflistung der gesamten Ereignisse bekommen hat und hierfür drei Akten durchgesehen werden mussten, muss ich immer wieder über den neusten Stand berichten, damit so ein Ausschuss überhaupt rechtzeitig helfen kann, meine ich. Die Schreiben an die Einrichtung bekommt natürlich auch der Petitionsausschuss.


Die nächste Stellungnahme für die Petition:

„Simon möchte die Einrichtung verlassen. Er möchte nach Hause. Ich finde seinen Wunsch verständlich und richtig und versuche dies in der folgenden Stellungnahme präzise zu begründen:

Von einem Arzt wurde mir geraten, nachdem Simon das Landeskrankenhaus verlassen hatte und in eine Einrichtung kommen soll, sollte dringend eine Gegendiagnose gemacht werden, was er auch gut begründete. Da ich aber das Gesundheitsfürsorgerecht immer noch nicht habe, bleibt die Verantwortung hierfür beim Jugendamt und der Einrichtung. Die taten es nicht.

Vom Tage des Heimaufenthaltes an wurde mir eine Mitarbeit von Seiten des Jugendamtes und der Einrichtung versprochen. Ich nutzte die Zusage gewissenhaft. So wie ich es selbst vernahm, waren zu diesem Zeitpunkt die leitenden Personen der Einrichtung tatsächlich zu allen Seiten hin offen. Sie nahmen meine Besorgnis über die Medikation wahr und erhörten auch von mir dargestellte Zustände im Krankenhaus, denen Simon unterlag. Herr Schwarz las auch eine Akte meiner Tagebücher und meines Schriftverkehrs. Herr Schwarz und Frau Piel versprachen Simon und mir, bald, unter Kontrolle eines Psychiaters, die Medikamente langsam, aber recht bald ausschleichen zu lassen. Immerhin eine andere mögliche Methode der Gegendiagnose. Somit wäre auch erkannt worden, ob die Medikamente wirklich nötig waren.

Nach dem ersten Entwicklungsgespräch lernte Herr Gundalf vom Jugendamt das erste Mal Herrn Schwarz und Frau Piel von der Einrichtung kennen. Nach dem Gespräch gab Herr Gundalf den Personen aus der Einrichtung absolute Prokura. Damit war er entlastet. Frau Piel und Herr Schwarz beriefen sich oft auf diese Prokura, die sie jetzt hatten. Herr Schwarz berief sich auch gleich einen Tag später, als ich ein Gespräch mit ihm hatte, auf die Prokura mit dem anschließenden Beisatz, er vermute, dass ich ihn zum Verbündeten machen wolle, zum Verbündeten gegen die Medikamente. Ich wollte aber keinen Verbündeten gegen irgendwas, ich wollte Verständnis und Verantwortung gegenüber Simons Gesundheit. Sie versprachen immer noch das Ausschleichen der Medikamente bald in Angriff zu nehmen. Doch nichts geschah. Dr. Walle, der behandelnden Psychiater, gab mir keine Informationen. Die Mitarbeit leistete ich stets gewissenhaft weiter, doch ich merkte immer mehr, dass sie zwar zugesagt war, doch praktisch nicht gegeben und anerkannt wurde.

Als ich endlich das Gesundheitsfürsorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht bekommen habe, organisierte Herr Gundalf, der sonst nicht viel tut, das nächste Entwicklungsgespräch gleich einen Tag später. Provozierend für Simon und seine Angehörigen war, dass jetzt bestimmt wurde, dass Simons Medikamente zwar ausgeschlichen werden sollten, doch noch langfristiger, als das Klinikum damals plante. Er hätte noch zweieinhalb Jahre insgesamt mit Leponex zu tun, dessen gesundheitliche Nebenwirkungen verheerend sind, das die Menschen in Trance versetzt und Todesfälle hat es schon sehr viele gegeben.

Zum Glück hatte Simon nicht das Interesse, an dem Gespräch teilzunehmen, und hörte dies nicht. Sein Vater ist auch nicht gekommen. Ich musste alleine damit fertig werden. Hätte ich nicht gewusst, dass Simon Leponex schon seit Ende April alleine langsam ausschleichen lässt, wäre diese heftige menschenrechtsverletzende Bestimmung der Einrichtung unerträglich gewesen. Ich kann mir leider auch nicht vorstellen, dass Frau Piel, Herr Schwarz und Herr Gundalf nicht wussten, was sie da taten, als sie mir das sagten. Zu erwähnen wäre da auch noch, dass vor dem Gerichtstermin weder Frau Piel oder Herr Schwarz mir schriftliche Referenzen einer guten Mitarbeit geben wollten. Von Ihrer Seite her braucht es schon zusätzliche Mühe, diese Mitarbeit vorzutäuschen. Der ständige besorgniserregende Gedanke, was machen die mit Simon, wenn er beim Medikamentenwegspülen erwischt wird, macht mich seit Wochen krank und schwach.

Simon selbst hat kein Vertrauen mehr zu seinen Betreuerinnen. Er meint, sie würden ihn noch mal richtig zum Schlafen bringen mit Leponex. Dann brauchen sie nicht zu arbeiten.

Sollte im Landekrankenhaus ein Fehler oder gar ein Vergehen passiert oder begangen worden sein, welcher oder welches trotz „Hilfeschreien“ immer nur fortgeführt wurde, hat das Jugendamt und die Einrichtung diesen falschen Fortgang zu verantworten.

Ich selbst darf mit meinem Gesundheitsfürsorgerecht jetzt einen anderen Psychiater aufsuchen, der Simon weiter behandelt.

Als Simon in die Einrichtung kam, sollte er lt. der Lehrerin im Landeskrankenhaus sofort auf eine öffentliche normale Schule. Es sei nicht schwer für ihn, es wäre gut für ihn, so ihre Aussage. In der Einrichtung wurde anders bestimmt. Erst nach den Osterferien. Als diese kamen, wurde beschlossen: nach den Sommerferien.

Daraufhin setzte ich mich immer stärker dafür ein – auch schriftlich, dass Simon endlich nach den Sommerferien wirklich in die öffentliche Schule kam, und es ging.

Therapeutische und pädagogische Maßnahmen für Simon wünschte ich mir, später auch schriftlich. Ich schlug Sport, Gitarre spielen, Rollenspiele, um mit der Umwelt anders klarzukommen, oder auch Theaterspielen vor. Meine Vorschläge fand Herr Schwarz anfangs gut. Er wollte sich darum kümmern. Er wollte mir auch einen Plan machen, damit ich sehen kann, was die Einrichtung alles für Simon macht, und was künftig laufen wird. Dann geschah nichts. Bis heute habe ich keinen Plan bekommen. Es wurde nur gesagt, dass Simon nicht bereit dafür sei. Es wird immer davon ausgegangen, dass er dafür kein Interesse zeigt. Motiviert wird er nicht.“

Aber wenn er hier zu Hause ist, ist er motiviert und aufgeschlossen für alles. Er zeigt Spaß und Lebensfreude.

Simon sollte in der Einrichtung lernen, mit Konflikten in der Gesellschaft und unter Gleichaltrigen klarzukommen. Gleichaltrige waren anfangs auch in der Einrichtung. Sie mussten die Einrichtung verlassen, weil sie sozial und gesellschaftlich nicht aufzufangen waren. Simon ist in der Einrichtung nur noch mit Siebenjährigen und jüngeren Kindern zusammen. Die Kinder „nerven“ ihn. Er hat keine Lust, Ausflüge oder andere Aktivitäten mit so kleinen Kindern zu machen. Ständig sagt er mir, er habe heute nichts getan und er werde nichts tun.

Für Simon wird die Einrichtung, in der er sich befindet, mehr und mehr ein Aufbewahrungslager auf unbestimmte Zeit. Er möchte nach Hause. Ich wage es zu behaupten: Was dort für Simon geleistet wird, kann ich besser. Ich kann für Simon planen und brauche keine Unterschriften seines Vaters, wenn ich das alleinige Sorgerecht habe.

Simons Homöopath rät zu Lockerheit. Simon hat es bald geschafft, die Medikamente abzusetzen. Er macht es ganz alleine. Wenn dann Dr. Walle und die Heimleitung davon erfahren, werden sie sich überhaupt nichts daraus machen. Passiert ist passiert. Dann wird Simon weiter untersucht." Ilka Hölzer

Ja, hat unser Homöopath Recht mit seiner Meinung? Wird er wirklich Recht behalten? Ich habe Angst, was werden sie im Heim mit Simon machen?
(© Ilona Meschke 2008)

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