Vorwort

Simon - ein Scheidungskind
verlor die schönsten Kinderjahre bei der Hilfesuche im Jugendamt
in der Psychiatrie und im Kinderheim

"Bitte gebt mir ein Sprachrohr!"
"ich brauche es jetzt"

Ilka Hölzer


Vor langer Zeit:
„Opa, warum steht die Mauer da?“
Der Opa hörte, schwieg und mit ernstem Gesicht verrichtete er weiter seine Arbeit auf dem Hof einer Altbausiedlung in unserer Stadt. Ich saß auf meinem Ball, die Mauer von weitem betrachtend. Sie war hoch wie die Häuser. Sie war lang und dick. Wie lang und dick, ließ sich nicht überschauen. Gut angeordnete rostige, große, spitze Eisenhaken schauten aus der Mauer weit oben heraus. Der Rost der Haken setzte sich um die Haken und weiter unter den Haken im Mauerwerk ab.

Die Mauer war alt. Sie verriet nichts über sich. Sie trennte Höfe, Häuser, Menschen und spielende Kinder auf der anderen Seite. „Opa, ich mag die Mauer nicht. Warum steht die Mauer da?“ Der Opa wurde noch stiller. Ab jetzt wird er niemals mehr etwas über die Mauer verraten, denn wenn Opas schweigen, steckt ein wirkliches Geheimnis dahinter. Hämisch schaute mir die Mauer mit ihren Haken entgegen. Sie war es, die den Opa zum Schweigen brachte.

Noch heute wohne ich in dieser Stadt, am Rande, in einem idyllischen Vorort. Ich hole mein Fahrrad aus dem Keller, um damit zu der Siedlung meiner vergangenen Zeit zu gelangen.

Oma und Opa sind längst schon von uns gegangen, schweigend, denn über die Mauer verrieten sie nichts mehr. Ich möchte mir noch einmal die Mauer anschauen, die ich vor langer Zeit kennen lernte.

Es war die erste Mauer, die ich sah. Die Häuser drum herum sind fast alle restauriert oder neu gestrichen. Nur die Mauer hat sich nicht verändert. Die Leute gehen ihren Beschäftigungen nach. Sie beachten die Mauer nicht. Auch kein Kind sitzt mehr auf einem Ball und schaut die Mauer fragend an.
Haben Kinder aufgehört zu fragen?
Wer hört schon fragende Kinder?


Warum redet niemand über Mauern?
Warum stehen Mauern schweigend da?
Warum spricht man über manche Dinge nicht?
Eure Angst bringt euch noch um.
Hinter den Mauern sind keine Monster!

Es sitzen die Entscheidungsträger dahinter. Vor der Mauer sind die, die mit den Entscheidungen zu leben haben.

Ist es hier zu Lande möglich, dass eine Gerichtsgutachterin entscheidet: Beide Eltern seien gleichermaßen gesund und stark, um das Kind zu erziehen. Beide Eltern seien gleichermaßen in der Lage und fähig, den Jungen zu erziehen. Das Problem liegt darin, sie stehen sich zu konträr gegenüber. Deswegen könne sie keinem von beiden künftig das Sorgerecht zusprechen?

Ist es danach auch möglich, dass ein Teil der Eltern dann dazwischen ruft: „Halt das war nicht Ihr Auftrag. Entscheiden sie sich für einen der Eltern. Geben Sie lieber dem anderen das Sorgerecht, aber hauptsache einer von beiden!“

Und stellen wir uns dann vor, dass nach dieser Bitte der Richter diesem Elternteil sagt, sie solle ihren Mund halten? Sie hätte jetzt kein Rederecht und ohnehin seien sie, ihre Freunde und Ärzte sehr unrealistisch und laut Einschätzung vieler Entscheidungsträger, die dann aufgezählt werden, sogar psychisch krank.

Ist es hier zu Lande möglich, dass Menschen immer dann von Entscheidungsträgern für psychisch krank gehalten werden, wenn sie gute logische Gedanken haben und um Hilfe flehen? Sollte sich dann gegebenenfalls herausstellen, dass eine Betroffene überhaupt nicht psychisch krank gewesen ist oder war, diese schmutzige lahmlegende Behauptung nie bestraft wird? Oder ist so etwas nur in einer geschlossenen Sitzung beim Familiengericht in Braunschweig möglich, falls es möglich ist?

Ist es hier zu Lande möglich, dass Entscheidungsträger beim Jugendamt von Gewalt Kenntnis nehmen und diese vor ihrem Schreibtisch aussitzen?

Ist es hier zu Lande möglich, dass Hilfesuchende sich an andere Entscheidungsträger mit einem sieben seitigem Erklärungspapier wenden, um aus einer Situation gerettet zu werden. Und diese Entscheidungsträger antworten nie. Sie wenden sich nur schriftlich an die Erzeugerstelle und fragen, ob alles korrekt sei, bekommen dann eine schnelle Antwort, ja alles sei korrekt. Dann heften sie diesen Nachweis in ihre Akten, - sicherheitshalber? Um nachweisen zu können, etwas getan zu haben?

Ist es hier zu Lande möglich, dass durch manche getroffenen Entscheidungen Betroffene noch zehn Jahre danach mit ihrem Herzblut zahlen?

Ist das möglich oder ist das unmöglich?
„Bitte nehme dir einen November deines Lebens
und lese meine Geschichte.“

Ebenfalls Inhalte aus der Akteneinsicht
vom Jugendamt Braunschweig von 2013

Gegen Porto- und Materialkosten
ist diese authentische Geschichte
auch auf Papier zu bekommen.


Herzliche Grüße
Ilka Hölzer

geschrieben,
gedruckt,
herausgegeben von
Ilona Meschke

Tintenfass

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Buch und Kunstwerkstatt in Braunschweig

… es knistert …

… oder brennt es schon? …


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